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"Trifft industriellen Kern"IW-Studie: Deutsches Handelsdefizit mit China könnte erstmals über 100 Milliarden Euro steigen

15.10.2026, 09:48 Uhr
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(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Deutschlands Handelsdefizit mit China steuert einer Studie zufolge auf einen Rekordwert zu: Es dürfte in diesem Jahr erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro überschreiten.

Das geht aus einer Analyse des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Im ersten Halbjahr importierte Deutschland demnach fast zweieinhalbmal so viele Waren aus China, wie es dorthin exportierte. Setze sich dieser Trend in der zweiten Jahreshälfte fort, werde die 100-Milliarden-Marke geknackt. Seit 2019 hätte sich das Defizit damit mehr als versiebenfacht. "Der China-Schock 2.0 trifft damit unseren industriellen Kern", sagte IW-Experte Jürgen Matthes.

Das Institut sieht die Hauptlast bei drei deutschen Schlüsselbranchen. Am stärksten trägt die Automobilindustrie zum wachsenden Defizit bei. Ein Handelsüberschuss von mehr als 23 Milliarden Euro im Jahr 2019 dürfte sich bis Ende des Jahres fast vollständig auflösen. Grund sei ein Einbruch der Exporte bei gleichzeitig massiv steigenden Importen chinesischer Fahrzeuge.

Auch der Maschinenbau wird demnach aus einem Überschuss von fast zehn Milliarden Euro im Jahr 2019 voraussichtlich erstmals in ein Defizit von rund einer Milliarde Euro rutschen. Die Elektroindustrie trägt mit rund 30 Milliarden Euro etwa ein Drittel zum gesamten Zuwachs des Defizits bei. Treiber sind hier elektrische Ausrüstungen, wozu etwa Elektromotoren und Batterien gehören.

Energieintensive Branchen wie Chemie, Papier, Glas und Metalle tragen zusammen nur rund vier Milliarden Euro bei. "Hohe Energiekosten erklären die Entwicklung also nur zu einem kleinen Teil – anders als oft behauptet", so das IW.

Als Gründe für die Entwicklung nennen die Forscher neben dem technologischen Aufholen Chinas auch massive Subventionen und eine unterbewertete Währung. "Neben heimischen Reformen braucht es daher breite und zügig umsetzbare Ausgleichszölle", sagte IW-Experte Matthes. Der Europäische Rat solle die Kommission auffordern, ein entsprechendes Instrument zu entwickeln. "Das ist kein Protektionismus, sondern sorgt für faire Wettbewerbsbedingungen", erklärte Matthes.

Quelle: ntv.de, rts

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