"Eher eine Verschnaufpause"IWH-Studie: Weniger Firmenpleiten im August gezählt – aber mehr Jobs betroffen

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist einer Studie zufolge im August gesunken, doch waren zugleich mehr Arbeitsplätze von Insolvenzen bedroht.
Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften sank um zehn Prozent auf 1525, wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mitteilte. Allerdings waren dies immer noch 63 Prozent mehr als im August-Durchschnitt der Vorkrisenjahre 2016 bis 2019. Das Insolvenzgeschehen bleibt damit trotz des leichten Rückgangs auf einem hohen Niveau.
Besonders stark stieg die Zahl der von Pleiten gefährdeten Arbeitsplätze. In den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen waren im August mehr als 16.000 Jobs betroffen. Das waren 21 Prozent mehr als im Vormonat Juli und mehr als doppelt so viele wie im Schnitt der Vorkrisenjahre. Dem IWH zufolge führen besonders Pleiten bei großen Arbeitgebern oft zu erheblichen und dauerhaften Einkommensverlusten bei den betroffenen Mitarbeitern.
Eine Entwarnung geben die Forscher daher nicht. "Nach den absoluten Höchstwerten der vergangenen Monate ist der Rückgang der Insolvenzzahlen im August eher eine Verschnaufpause als eine Entwarnung", sagte Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. Frühindikatoren deuteten darauf hin, dass in den kommenden Monaten wieder mit zahlreichen Firmenpleiten zu rechnen sei. "Trotz erster konjunktureller Erholungssignale bewegen wir uns beim Insolvenzgeschehen weiterhin auf einem hohen Niveau."
Die deutsche Wirtschaft hat zuletzt wieder Tritt gefasst. Im ersten Halbjahr wuchs sie trotz der Belastungen durch höhere Energiepreise infolge des Iran-Kriegs stärker als erwartet. Das IWH hat deshalb seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr von 0,9 auf 1,4 Prozent angehoben. Für das kommende Jahr wurde sie allerdings von 0,9 auf 0,8 Prozent gesenkt.