Serie von Angriffen auf SchiffeIran stellt harte Bedingungen für Öffnung der Straße von Hormus

Der Iran hat inmitten der diplomatischen Bemühungen für ein Kriegsende harte Bedingungen für eine Öffnung der Straße von Hormus gestellt.
Der Iran hat inmitten der diplomatischen Bemühungen für ein Kriegsende harte Bedingungen für eine Öffnung der Straße von Hormus gestellt. Während Außenminister Abbas Araghtschi am Wochenende unter anderem "Entschädigungen" von den USA forderte, legte Sicherheitschef Mohammad Bagher Solghadr eine ganze Liste an Bedingungen für ein Ende der Blockade der wichtigen Meerenge vor.
So forderte Solghadr laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim ein Ende des "Krieges und der Aggression gegen den Iran und seine Verbündeten im Libanon, in Palästina, im Jemen und im Irak". Der Chef des Nationalen Sicherheitsrats des Iran verlangte außerdem die Aufhebung der von den USA verhängten Blockade iranischer Häfen und der Sanktionen gegen Teheran, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte sowie Entschädigungen für Kriegsschäden.
Die iranischen Revolutionsgarden betonten am Sonntag, die für den weltweiten Erdöl- und Erdgashandel äußerst wichtigen Straße von Hormus werde so lange blockiert bleiben, "bis der Feind alle unsere Bedingungen erfüllt". Revolutionsgarden-Sprecher Hossein Mohebi sagte nach Angaben des Staatsfernsehens: "Die Meerenge ist für uns derzeit ein Kriegsschauplatz und nicht nur eine Wasserstraße."
Teheran hält die zwischen dem Iran und dem Oman gelegene Straße von Hormus seit Beginn des Kriegs Ende Februar faktisch blockiert. Vor dem Krieg verlief rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte durch die Meerenge.
Derzeit führen der Iran und der Oman Gespräche über eine Durchfahrt von Schiffen. Teheran will Transitgebühren erheben, was die USA entschieden ablehnen.
Der iranische Außenminister Araghtschi sagte am Samstag, die Gespräche mit dem Oman näherten sich der "Endphase". Dies sei jedoch "kein Zeichen für eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus". Eine Ende der Blockade hänge von anderen Bedingungen sowie von "Entschädigungen" für Verstöße der USA gegen das im Juni besiegelte Rahmenabkommen zwischen Teheran und Washington ab.
Am Sonntag bestritt Araghtschi zudem Verhandlungen mit den USA. Es würden lediglich über Vermittler "Nachrichten ausgetauscht". US-Präsident Donald Trump sucht wenige Monate vor den wichtigen US-Kongress-Zwischenwahlen im November ein Ende des von ihm mit entfachten Konflikts, der in der US-Bevölkerung höchst unbeliebt ist und zu einem starken Preisanstieg an Tankstellen geführt hat.
Der Oman bezeichnete derweil die Gespräche mit dem Iran als "positiv und konstruktiv", warnte aber zugleich vor weiteren Angriffen auf Schiffe. Das Außenministerium in Maskat verurteilte am Samstag die "wiederholten Angriffe" auf Schiffe in der Meerenge, ohne den Iran ausdrücklich zu nennen.
Die Warnung erfolgte vor dem Hintergrund einer Serie von Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus. Am Samstag gab es mindestens einen Raketenangriff auf einen Tanker.
Derweil griffen die pro-iranischen Huthis im Jemen am Sonntag nach eigenen Angaben eine Ölraffinerie in Saudi-Arabien am Roten Meer an. Die Raffinerie des saudiarabischen Ölkonzerns Aramco in Dschisan sei bei einem "präzisen" Angriff mit einer Drohne attackiert worden, erklärte Huthi-Sprecher Jahja Saree am Sonntag. Es handle sich um eine Reaktion auf Vorstöße Saudi-Arabiens im Nordwesten des Jemen.
Das Energieministerium in Riad hatte zuvor mitgeteilt, dass Einsatzkräfte einen Brand in der Raffinerie von Dschisan unter Kontrolle gebracht hätten. Die Huthis griffen am Sonntag auch den jemenitischen Hafen Mocha an, der von der von Saudi-Arabien unterstützten jemenitischen Regierung kontrolliert wird.
Die von Teheran unterstützte Miliz hatte Ende Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und seither nach eigenen Angaben saudiarabische Öltanker im Roten Meer sowie Ölanlagen in dem Königreich angegriffen. Das Rote Meer hat als Transportroute für Erdöl durch die Blockade der Straße von Hormus, die auf der anderen Seite der arabischen Halbinsel liegt, an Bedeutung gewonnen.
Die USA und Israel hatten Ende Februar mit massiven Angriffen auf den Iran begonnen. Auf eine Waffenruhe im April folgte im Juni die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens, das binnen 60 Tagen zu einer dauerhaften Friedensregelung führen sollte. Mitte Juli nahmen die USA ihre Angriffe gegen den Iran aber wieder auf.
Angesichts des Iran-Kriegs und seiner Auswirkungen auf die Region schlossen Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan am Freitag einen gemeinsamen Verteidigungspakt. Das Bündnis soll nach pakistanischen Angaben die "kollektive Abschreckung" stärken.
Der türkische Außenminister Hakan Fidan sagte am Samstag, er rechne damit, dass Ägypten sich dem neuen Verteidigungsabkommen ebenfalls anschließt. "Ich glaube, dass Ägypten in der nächsten Phase ebenfalls zu unserem Bündnis gehören wird", sagte Fidan der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. "Wir verhalten uns bereits so, als wären wir Bündnispartner."