Türkei im AusnahmezustandMassenproteste lösen Börsenschock aus

Die Inhaftierung des beliebten Oppositionspolitikers Ekrem Imamoglu hat in der Türkei große politische Unsicherheit ausgelöst. Seit Tagen gibt es Massenproteste, gegen die Präsident Recep Tayyip Erdogan mit aller Härte vorgehen lässt. Fast 1200 Menschen wurden festgenommen. Der ohnehin geschwächten Wirtschaft des Landes setzt die politische Krise zu. An der Börse purzelten die Kurse und der Wert der Landeswährung Lira brach ein.
"Erdogan hat einen neuen Brand in der Wirtschaft gelegt", sagt der Ökonom Mustafa Sönmez. Festnahme, Absetzung und Anklage von Imamoglu, der als wichtigster politischer Gegner des amtierenden Präsidenten gilt und ab 2019 Bürgermeister der Wirtschaftsmetropole Istanbul war, "haben die Märkte erschüttert". Auch drohe eine Rückkehr der gerade erst mühsam eingehegten Inflation.
Imamoglu war am frühen Mittwochmorgen festgenommen worden. Der türkische Leitindex BIST stürzte daraufhin ab. Im Laufe der Woche wurde an der Börse in Istanbul deshalb mehrmals der Handel ausgesetzt. Zum Wochenende notierte der BIST im Wochenvergleich 16,5 Prozent im Minus, der stärkste Einbruch seit 2008.