Um hohe Teilzeitquote zu senkenOECD fordert Reform des Steuer- und Transfersystems in Deutschland

Die Industriestaaten-Organisation OECD hält eine Reform des Steuer- und Transfersystems in Deutschland für den Abbau der international hohen Teilzeitquote für notwendig.
"Dazu gehört eine Reform des Ehegattensplittings sowie eine Beschränkung der Minijobs auf Studenten und Schüler", sagte der Deutschland-Experte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Robert Grundke, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. "Denn obwohl jetzt viele über eine Reduzierung von Teilzeit reden, wird in Deutschland Teilzeitarbeit in Minijobs immer noch mit Milliarden subventioniert." Das Ehegattensplitting schafft durch die Entlastung bei ungleicher Einkommensverteilung negative Erwerbsanreize für Zweitverdiener. Ein Übergang vom Minijob in eine reguläre Beschäftigung wiederum kann sich oftmals wenig lohnen, da durch dann einsetzende Sozialversicherungsbeiträge und Steuern vom zusätzlichen Bruttoeinkommen netto nicht so viel übrig bleibt.
In Deutschland arbeiten der OECD zufolge im Schnitt 21 Prozent der Arbeitnehmer weniger als 30 Stunden die Woche. Dies liege über dem OECD-Durchschnitt von 15 Prozent, sei aber viel geringer als etwa in den Niederlanden. Dort würden 34 Prozent der Arbeitnehmer in Teilzeit arbeiten. "Wenn man sich die Verteilung allerdings nach Geschlecht anschaut, sieht man, dass in Deutschland besonders Frauen in Teilzeit arbeiten", sagte Grundke. 35 Prozent von ihnen, aber nur neun Prozent der Männer arbeiten nicht voll. In den Niederlanden, der Schweiz und Japan sei allerdings die Teilzeitquote von Frauen noch höher.
"Eine weitere wichtige Maßnahme wäre eine bessere Koordinierung der sozialen Transfers, einschließlich Kinderzuschlag und Wohngeld", sagte Grundke. Dies würde die Anreize zur Ausweitung des Arbeitsangebots für Geringverdiener und Haushalte mit Kindern erhöhen. Auch eine Senkung der Steuer- und Abgabenbelastung für Arbeitseinkommen ist für die OECD eine wichtige Maßnahme, um das Arbeitsangebot zu erhöhen und den Fachkräftemangel zu lindern. "Dies könnte über eine Streichung von Steuervergünstigungen und -ausnahmen bei Kapitalertrags– und Erbschaftssteuer, Mehrwertsteuer und Umweltsteuer sowie einer Verbesserung des Steuervollzugs finanziert werden", sagte Grundke.