"Hohes Maß an Ungenauigkeiten"Parlamentswahl im Kosovo: Wahlbehörde ordnet Neuauszählung aller Stimmen an

Drei Wochen nach der Parlamentswahl im Kosovo haben die Wahlbehörden eine Neuauszählung aller Stimmen angeordnet.
Drei Wochen nach der Parlamentswahl im Kosovo haben die Wahlbehörden eine Neuauszählung aller Stimmen angeordnet. Bei einer Teilauszählung sei "ein hohes Maß an Ungenauigkeiten" festgestellt worden, erklärte am Montag der Vorsitzende der Wahlkommission, Kreshnik Radoniqi. Nach Angaben von Kosovos Generalstaatsanwältin Laura Pula wurden Ermittlungen wegen möglicher "Straftaten im Zusammenhang mit dem Wahlprozess" eingeleitet.
Bei der vorgezogenen Parlamentswahl Ende Dezember hatte die Selbstbestimmungs-Partei (VV) von Ministerpräsident Albin Kurti vorläufigen Ergebnissen zufolge mehr als 51 Prozent der Stimmen geholt. Kurtis Partei hatte bei der vorherigen Wahl im Februar 42 Prozent der Stimmen geholt. Seitdem scheiterte jede Regierungsbildung. Die Neuwahl sollte einen Ausweg aus der Krise bringen.
Die Wahlkommission hatte nach der Abstimmung im Dezember zunächst eine vollständige Neuauszählung der Stimmzettel in zehn Gemeinden sowie eine teilweise Neuauszählung in 28 weiteren Gemeinden angeordnet. Der Stimmanteil für die Parteien wurde demnach offenbar korrekt erfasst. Nach Angaben der Kommission wurden jedoch Unstimmigkeiten festgestellt hinsichtlich der Stimmen, die den einzelnen Kandidaten auf den Parteilisten zugeteilt wurden. In der Stadt Prizren seien mehr als 20.000 Stimmen falsch zugeordnet worden, sagte Kommissionschef Radoniqi.
Durch die vollständige Neuauszählung der Stimmen wird sich die Bildung einer neuen Regierung im Kosovo vermutlich um mehrere Wochen verzögern. Dem Land könnten nach Einschätzung von Experten dadurch internationale Hilfsgelder in Millionenhöhe entgehen.
Die frühere serbische Provinz Kosovo hatte sich 2008 und damit knapp ein Jahrzehnt nach dem Kosovokrieg für unabhängig erklärt und ist damit das jüngste Land Europas.