Rhein erreicht erneut RekordtiefPegelstand bei Kaub fällt auf zwei Zentimeter

Der Pegelstand auf Deutschlands wichtigster Binnenwasserstraße Rhein ist erneut auf ein Rekordtief gefallen.
Er sank an der für die Schifffahrt wichtigen Engstelle Kaub bei Koblenz am Donnerstag auf zwei Zentimeter, wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) am Freitag mitteilte. Am Freitagmorgen sei er wieder auf fünf Zentimeter gestiegen. Einem Sprecher der Behörde zufolge muss der neue Rekord noch verifiziert werden, die vorläufigen Daten deuteten jedoch auf einen historischen Tiefstand hin. Seit dem 19. Jahrhundert werden die Pegelstände gemessen. Sie sind ein Referenzwert für die Schifffahrt, der Rhein ist in Kaub tatsächlich noch gut einen Meter tiefer.
"Im Grunde genommen ist für die meisten Transporte der Rhein zweigeteilt", sagte der Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank (HCOB), Cyrus de la Rubia, der Nachrichtenagentur Reuters. Der Rhein bei Kaub - mehr oder weniger in der Mitte des Rheinverlaufs - sei für größere Flussschiffe nicht mehr befahrbar. "Daraus ergeben sich Ineffizienzen im Transport und Lieferkettenprobleme", betonte der Ökonom. Diese bremsten die deutsche Wirtschaft. Sie dürften dazu beigetragen haben, dass die Industrieproduktion im Juli um 1,1 Prozent zum Vormonat geschrumpft sei.
Aktuelle Unternehmensumfragen deuteten darauf hin, dass der Auftragsbestand im August und September gestiegen ist. "Das kann ein Hinweis darauf sein, dass man angesichts der durch das Niedrigwasser entstehenden Lieferkettenprobleme mit der Produktion nicht hinterherkommt", sagte de la Rubia. Er rechnet damit, dass das Wirtschaftswachstum im zu Ende gehenden dritten Quartal durch das Niedrigwasser mit 0,2 Prozent schwächer ausfallen wird als in den drei Vorquartalen. "Positive überlagernde Effekte gehen von dem KI-Investitionsboom in den USA aus", sagte der Chefvolkswirt. Dieser führe zu einer stärkeren Nachfrage nach Gütern wie Kühlsystemen und Gasturbinen. Hier sei Deutschland nach wie vor lieferfähig.