Statistisches BundesamtReallöhne steigen wegen höherer Inflation langsamer

Wegen der gestiegenen Inflation infolge des Iran-Kriegs sind die Reallöhne der deutschen Arbeitnehmer im zweiten Quartal langsamer gestiegen.
Die Bruttomonatslöhne einschließlich Sonderzahlungen wuchsen von April bis Juni um durchschnittlich 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Wird der Anstieg der Verbraucherpreise von 2,5 Prozent abgezogen, bleibt davon ein Reallohnzuwachs von rund 1,5 Prozent übrig. Das ist der kleinste Zuwachs seit Anfang 2025. In den beiden Vorquartalen fiel er mit 1,8 und 1,9 Prozent höher aus.
Kaufkraftzuwächse könnten die Konjunktur stabilisieren. Zwar wuchs die deutsche Wirtschaft zuletzt drei Quartale in Folge. Die privaten Konsumausgaben aber legten im Frühjahr mit 0,1 Prozent nur minimal zu.
"Wenn die Reallöhne wachsen, ist das eine gute Nachricht – für die Beschäftigten, aber auch für die Konjunktur", sagte der Experte des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, Malte Lübker. Allerdings habe die Kaufkraft aufgrund der hohen Inflation in den vergangenen Jahre herbe Einbußen erlitten. Verglichen mit dem zweiten Quartal 2019 – dem Stand vor den vielen Krisen der vergangenen Jahre wie der Corona-Pandemie – hätten die Reallöhne gerade einmal um 0,6 Prozent zugelegt. "Unter dem Strich hat das laufende Jahrzehnt bei den Löhnen bisher kaum etwas gebracht", sagte Lübker.
Überdurchschnittliche Steigerungen der Bruttolöhne meldeten die Statistiker im zweiten Quartal in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (+8,9 Prozent), Energieversorgung (+7,6 Prozent) sowie Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (+7,5 Prozent). Dagegen fiel der Zuwachs in den Bereichen Kunst, Unterhaltung und Erholung (+3,4 Prozent), Erziehung und Unterricht (+2,4 Prozent) sowie in freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+1,8 Prozent) vergleichsweise gering aus.