Angeblich gegen Kleiderregeln verstoßenUN kritisieren kurzzeitige Inhaftierung von mindestens 52 Frauen in Afghanistan

Die UN-Hilfsmission für Afghanistan (Unama) kritisiert die zeitweise Inhaftierung von mindestens 52 Frauen in den Städten Kabul und Herat.
Die Frauen sowie ein Mädchen seinen zwischen Juli und September unter anderem aufgrund von angeblichen Verstößen gegen Kleiderregelungen kurzfristig festgenommen worden, hieß es in einer Stellungnahme der Organisation. Zu den Vorwürfen zählten demnach unter anderem, dass Frauen kein Kopftuch oder farbenfrohe Schleier und Schminke getragen hätten. Nach jeweils mehrstündiger Haft seien die Frauen wieder freigekommen, hieß es.
Nach dem Abzug internationaler Truppen regieren die islamistischen Taliban seit gut fünf Jahren wieder in Afghanistan. Mit strikten Dekreten gehen sie gegen die Rechte von Frauen vor. Im Juni kam es zu Protesten im westafghanischen Herat, nachdem Sittenwächter etwa 30 Frauen wegen angeblicher Verstöße gegen die Kleiderordnung verhaftet hatten. Mindestens eine Person wurde nach Eingreifen von Sicherheitskräften bei den Demonstrationen getötet.
Die Regeln der Taliban werden in der Fläche unterschiedlich ausgelegt – häufig sind es individuelle Entscheidungen von örtlichen Repräsentanten, die etwa Strafmaße festlegen. Frauen in Metropolen wie Kabul und Herat hatten in der Vergangenheit etwas mehr Freiheiten genossen als Frauen in konservativeren Regionen des Landes.
Zu Beginn der Woche hatte der Internationale Strafgerichtshof zwei weitere Haftbefehle gegen führende Mitglieder der in Afghanistan herrschenden Taliban bekanntgemacht. Neben dem Taliban-Führer Haibatullah Achundsada und dem obersten Richter, Abdul Hakim Hakkani, wird auch Bildungsminister Habibullah Agha und Hochschulminister Neda Mohammad Nadim Verbrechen gegen die Menschlichkeit wegen der Entrechtung von Frauen und Mädchen vorgeworfen. Die Taliban kritisierten diese Entscheidung als politisch motiviert.