UNO-BerichtKolumbien: Fast 1000 Menschenrechtsaktivisten zwischen 2016 und 2025 getötet

In den neun Jahren seit Abschluss des Friedensabkommens mit der damaligen Farc-Guerilla in Kolumbien sind der UNO zufolge fast 1000 Menschenrechtsaktivisten in dem südamerikanischen Land getötet worden.
"Das UN-Hochkomissariat für Menschenrechte hat zwischen 2016 und 2025 die Tötung von 972 Menschenrechtsaktivisten registriert", teilte die UNO am Donnerstag in Genf mit. Damit seien jährlich fast 100 Aktivisten getötet worden. "Es ist erschütternd, dass Kolumbien für Menschenrechtsaktivisten eines der gefährlichsten Länder der Welt bleibt", erklärte der UN-Hochkomissar für Menschenrechte, Volker Türk.
Überdurchschnittlich oft von der Gewalt betroffen sind den Angaben zufolge Indigene: Zwischen 2022 und 2025 gehörten laut dem Hochkommissariat OHCHR 23 Prozent der getöteten Aktivisten der indigenen Bevölkerung an, während deren Anteil an der kolumbianischen Gesamtbevölkerung nur 4,7 Prozent beträgt. Auch Afro-Kolumbianer, Landwirte, Umwelt-, Menschenrechts- und Kinderrechtsaktivisten sind demnach ebenfalls im Visier bewaffneter Gruppen.
Die Ursache der Gewalt seien "vor allem Konflikten zwischen bewaffneten, nicht-staatlichen Akteuren in Gebieten, die zuvor von der Farc-Guerilla kontrolliert wurden" und in denen sich staatliche Kräfte kaum etablieren könnten. Dem kolumbianischen Staat sei es trotz eines Dialoges mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Bemühungen zum Schutz von Aktivisten nicht gelungen, die Gewalt zu beenden. Kriminelle Interessen im Zusammenhang mit Drogenhandel, dem illegalen Abbau von Rohstoffen oder der Abholzung von Wäldern sowie dem Menschenhandel stünden geschwächten und überlasteten staatlichen Institutionen gegenüber. Nötig seien unter anderem institutionelle Reformen und die Strafverfolgung der Täter, erklärte das OHCHR weiter.
Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten, an denen neben der Armee und linken Guerillagruppen auch rechte Paramilitärs und Drogenbanden beteiligt sind. Die Farc war die mit Abstand größte Guerilla-Organisation in dem südamerikanischen Land. Die Gruppe hatte 50 Jahre lang Bombenanschläge, Attentate und Entführungen verübt und schließlich in dem Friedensabkommen von 2016 ihre Waffen niedergelegt. Daraufhin spalteten sich mehrere Gruppen ab. Viele der bewaffneten Gruppen Kolumbiens, die einst linken oder rechten Ideologien anhingen, sind heute kriminelle Banden, die sich insbesondere durch den lukrativen Kokainhandel finanzieren. Kolumbien gilt als der größte Kokainproduzent der Welt.