Wirtschaft

Der Retter der US-Milliarden AIG-Chef Benmosche ist tot

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Wusste, was auf ihn zukommt: Robert "Bob" Benmosche.

(Foto: REUTERS)

Kritikern war er zu ruppig, Unterstützern gilt er als die treibende Kraft, die dem US-Steuerzahler den Verlust einer dreistelligen Milliardensumme ersparte. Jetzt ist Bob Benmosche gestorben - kurz nach seinem Ausscheiden bei AIG.

Der langjährige Chef des US-Versicherers AIG, Robert "Bob" Benmosche, ist tot. Der Manager, der den Konzern vom Herbst 2009 bis zum Herbst 2014 geführt hatte, starb nach Angaben des Versicherungskonzerns im Alter von 70 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus.

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Dass der prominente Konzernsanierer unter gesundheitlichen Probleme litt, war seit längerem bekannt: Bereits vor knapp fünf Jahren hatten Ärzte bei dem ehemaligen Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden von AIG Lungenkrebs diagnostiziert.

Maximal noch ein Jahr zu leben

Im August 2014 hatte Benmosche in einem TV-Interview gesagt, seine Gesundheit habe sich verschlechtert und er habe nur noch maximal ein Jahr zu leben. Benmosche übergab seine Führungsposten bei AIG deshalb früher als ursprünglich geplant an den jetzigen Chef Peter Hancock.

Benmosche stand insgesamt fünf Jahre lang an der Spitze des ehemals weltgrößten Versicherungskonzerns. Er übernahm die Führung zu einer Zeit, als der Konzern in massiven Schwierigkeiten steckte. Benmosche brachte AIG mit einem radikalen Sanierungsprogramm wieder auf Kurs. Dabei musste er sich nicht nur von den Aufsichtsbehörden, sondern auch von Vertretern der US-Regierung genau auf die Finger schauen lassen - und sich den bohrenden Fragen empörter Abgeordneter in US-Kongressausschüssen stellen.

Schlimmer als Lehman Brothers

Der AIG-Konzern war in der Finanzkrise 2008 in gravierende Schwierigkeiten geraten. Ein unkontrollierter Zusammenbruch hätte im Inneren der US-Wirtschaft eine möglicherweise noch verheerendere Kettenreaktion auslösen können als die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. AIG musste schließlich von der US-Regierung mit der Rekordsumme von 182 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 163 Milliarden Euro) an Steuergeldern vor dem Absturz gerettet werden.

Als Sanierer eines riesigen Finanzkonzerns machte sich Benmosche nicht nur Freunde: Für seinen oft barschen Umgangston war er berüchtigt. Kritiker bezeichneten ihn einst als "Elefanten im Porzellanladen" - einer Umschreibung, der Benmosche nicht widersprach.

Unter Benmosches Führung gelang AIG eine bemerkenswerte Entwicklung: Die Schulden aus der Zeit der Finanzkrise sind inzwischen beglichen. Dem US-Steuerzahler hat Benmosche damit ein überaus kostspieliges Debakel erspart. Wäre die Sanierung gescheitert, hätte die Regierung in Washington einen Großteil des zur Rettung eingesetzten Geldes abschreiben müssen. Ganz in trockenen Tüchern ist der Versicherungsgigant allerdings immer noch nicht: AIG muss weiterhin einen scharfen Sanierungskurs durchlaufen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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