Wirtschaft

Ausland stoppt Hilfe Afghanistans Wirtschaft kollabiert

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Die Armut nimmt zu. In Kabul bettelt eine in eine Burka verhüllte Frau.

(Foto: REUTERS)

Nach der Machtübernahme der Taliban bricht die Wirtschaft Afghanistans ein. Besserung ist nicht in Sicht. Damit dürften noch mehr Menschen versuchen, das Land zu verlassen.

Es ist eine Zahl, die das Los vieler Afghanen noch verschlimmert: Die Wirtschaft des Landes wird im laufenden Jahr kräftig einbrechen, der Internationalen Währungsfonds rechnet mit einem Minus von bis zu 30 Prozent. Die Herrschaft der Taliban hat nicht nur mit der Durchsetzung ihrer Interpretation der Scharia begonnen, sondern auch mit langen Schlangen vor den Banken, explodierenden Preisen auf den Märkten, einer rasch steigenden Inflation und dem Verfall der Währung. Im Land mit seinen rund 37 Millionen Menschen sind neben Angst auch Armut und Hunger verbreitet, der Regierung geht das Geld aus.

Ausländische Geber, allen voran die USA, Deutschland und andere Europäer, hatten vor der Machtübernahme der Taliban rund 80 Prozent der Ausgaben der Regierung finanziert. Nun ist die Hilfe komplett gestoppt. Auf die Währungsreserven von geschätzt rund neun Milliarden US-Dollar haben die Taliban keinen Zugriff, da sie im Ausland liegen. Die Fundamentalisten sind seit langem mit Sanktionen belegt, die ihnen unter anderem internationale Finanztransaktionen massiv erschweren.

Nun droht eine wirtschaftliche und humanitäre Krise wegen der Zerstörungen durch den Krieg, der Millionen an Binnenflüchtlingen, Kürzungen der Entwicklungshilfe und dem Verlust lokaler Ausgaben durch abgezogene ausländische Truppen. Schon jetzt müssen mehr als ein Drittel der Menschen von weniger als zwei Dollar pro Tag leben.

Reich an Bodenschätzen

Seit dem Sturz der Taliban vor 20 Jahren ist die Wirtschaft stark gewachsen. Das lag allerdings vor allem an der internationalen Unterstützung. Sie machte 2020 nach Angaben der Weltbank mehr als 40 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar aus. Trotz der Hilfen gehört Afghanistan einem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen zufolge weiter zu den ärmsten Ländern der Welt und liegt auf Platz 169 von 189 Staaten. Es sieht derzeit danach aus, als würde es nun nach unten gehen.

Dabei könnte Afghanistan ein reiches Land sein, denn es verfügt über viele begehrte Bodenschätze wie Lithium, Kupfer, Seltene Erden und Öl. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt UN-Angaben zufolge aber in Armut und ist auf Unterstützung angewiesen, darunter etwa zehn Millionen Kinder. Das Welternährungsprogramm (WFP) schätzt, dass rund 14 Millionen Menschen nicht genug zu essen haben. Die Zahl könnte sich weiter erhöhen, da Land unter einer schweren Dürre leidet.

Der aus der Krise resultierende Rückgang des Lebensstandards drohe Millionen Menschen in extreme Armut zu treiben, so der IWF. Die Flüchtlingskrise nach der Machtübernahme der Taliban werde weiter angeheizt und werde sich vor allem auf die Nachbarländer, die Türkei und Europa auswirken.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa

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