Wirtschaft

"Ohne Anstand und Moral" Air-Berlin-Mitarbeiter ziehen vors Kanzleramt

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Angst vor der Arbeitslosigkeit: Air-Berlin-Mitarbeiter protestieren zwischen Reichstagsgebäude, Bahnhof und Kanzleramt.

(Foto: picture alliance / Silas Stein/d)

Das Ende von Air Berlin ist besiegelt, doch nur rund die Hälfte der Mitarbeiter kann nach der Teil-Übernahme durch Lufthansa und Easyjet auf eine Weiterbeschäftigung hoffen. In Rufweite der Kanzlerin machen wütende Air-Berliner ihrem Ärger Luft.

Mehrere hundert Beschäftigte von Air Berlin haben in Berlin eine Weiterbeschäftigung durch die Käufer der insolventen Airline gefordert. Vor dem Bundeskanzleramt hielten sie Transparente mit dem entsprechenden Paragrafen des Bürgerlichen Gesetzbuches und Schriftzüge wie "Air-Berliner fordern Betriebsübergang" in die Höhe. Sie kritisierten damit, dass die meisten Mitarbeiter sich bei den Käufern Lufthansa und Easyjet neu bewerben müssen, was für die Beschäftigten teils große Gehaltseinbußen bedeutet.

Am Berliner Hauptbahnhof ließen die Demonstranten in Sichtweite des Kanzleramts rote Luftballons aufsteigen. "Was hier passiert ist ein Skandal ohne Anstand und Moral", hieß es auf Spruchbändern mit Blick auf die Abwicklung der Airline.

Air Berlin hatte zuletzt rund 8000 Beschäftigte. 3000 Stellen schuf im Zuge der Übernahme die Lufthansa, 1000 Easyjet. Die übrigen Mitarbeiter von Air Berlin müssen sich wohl auf dem freien Arbeitsmarkt umsehen oder sich arbeitslos melden.

Anleihengläubiger gehen leer aus

Ausgestanden ist die Air-Berlin-Übernahme auch für die Gläubiger der verschuldeten Fluggesellschaft noch lange nicht. Nahezu zeitgleich mit der Protestkundgebung trafen sich in Berlin auch Anleger, die in den vergangenen Jahren eine hoch verzinste Anleihe der Fluggesellschaft Air Berlin gekauft hatten. Die etwa 30 Gläubiger der Air Berlin PLC erfuhren nach Teilnehmerangaben, dass sie wenn überhaupt nur einen Bruchteil ihres Geldes wiedersehen werden.

Der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus habe von unter einem Prozent gesprochen, hieß es. Die Gesellschaft sei mit 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro verschuldet. Ein Teil der Gläubiger prüft nach Informationen der "Wirtschaftswoche" Klagen gegen den Großaktionär Eithad und Air Berlins Wirtschaftsprüfer der KPMG.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa