Wirtschaft

Freiwillig gegen Tui-Flugausfälle Air Berlin ruft Crews zu Sondereinsätzen auf

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Motivationsproblem: Die Gewerkschaft UFO hat Verständnis für die "innere Kündigung" einiger Mitarbeitern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Massenhafte Krankmeldungen legen den Flugbetrieb von Tuifly teilweise lahm und treffen auch den Partner Air Berlin. Dort rufen Management und Gewerkschaften gemeinsam zu Extraanstrengungen auf.

Vor dem Hintergrund der massiven Flugausfälle beim Partner Tuifly hat die Fluggesellschaft Air Berlin gemeinsam mit Arbeitnehmervertretern eine Krisenvereinbarung ins Leben gerufen. Mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, der Verdi-Tarifkommission Kabine und dem Gesamtbetriebsrat habe man sich darauf verständigt, Sofortmaßnahmen in Kraft zu setzen, um den Flugbetrieb zu stabilisieren. Piloten, Flugbegleiter und Bodenmitarbeiter seien nun dazu aufgerufen, auf freiwilliger Basis Sondereinsätze zu leisten, teilten Air Berlin und die Vereinigung Cockpit mit. Die Laufzeit dieser Sondervereinbarung sei vorerst auf den Zeitraum bis zum 9. Oktober begrenzt.

Von den massiven Flugstreichungen bei Tuifly seien in hohem Maße auch Air-Berlin-Flüge betroffen, die von Tuifly im Wet-Lease - das bedeutet eine Anmietung der Maschinen einschließlich Crew, Kabinenpersonal, Wartung und Versicherung - geflogen werden. Sowohl Mittwoch als auch Donnerstag musste Tuifly zahlreiche Flüge annulieren, nachdem sich viele Mitarbeiter kurzfristig krankgemeldet hatten.

Tuifly spricht derzeit mit Air-Berlin-Großaktionär Etihad über einen Airline-Verbund im Tourismus-Bereich. In einem solchen Verbund könnte das derzeitige touristische Geschäft von Air Berlin mit 35 Flugzeugen - einschließlich der 14 Flugzeuge, die derzeit von Tuifly betrieben werden - und Tuifly zusammengeführt werden.

Gewerkschaft distanziert sich

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo wies unterdessen jegliche Verantwortung für die massenhaften Krankmeldungen zurück. "Das ist definitiv kein Mittel zum Arbeitskampf für uns", kritisierte der Tarifexperte Nicoley Baublies. Man rufe dazu nicht auf und distanziere sich klar von einem möglichen Missbrauch.

Baublies zeigte aber großes Verständnis für die Flugbegleiter der Fluggesellschaften Tuifly und Air Berlin, die aus Personalmangel in den vergangenen Tagen etliche Flüge absagen mussten. Auch bei der Lufthansa-Tochter Eurowings, die im kommenden Jahr 35 Jets samt Besatzungen von der Air Berlin übernehmen soll, habe sich der Krankenstand aktuell in etwa verdoppelt, sagte der Gewerkschafter.

Wegen der miserablen Informationspolitik ihrer Gesellschaften wüssten die Beschäftigten nicht, was auf sie bei der Neuordnung des Luftverkehrsmarktes zukomme, kritisierte Baublies. Das führe bei Einzelnen zu starken psychischen Belastungen. Nach einer innerlichen Kündigung seien Kollegen auch nicht mehr bereit, über kleinere Beschwerden hinwegzusehen oder aus einer Krankheitsperiode früher wieder in den Job zurückzukehren.

Quelle: n-tv.de, mbo/DJ/dpa