Wirtschaft

Anleger-Euphorie nach Split Tesla-Aktie zündet wieder den Turbo

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Elon Musk zeigt Kritikern, was eine Harke ist: Die Kursrally bei Tesla geht nach dem Aktiensplit weiter.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vor einem Jahr waren Tesla-Papiere - den jüngsten Aktiensplit eingerechnet - für rund 40 Dollar zu haben. Aktuell notieren sie bei gut 490 Dollar. Tesla-Chef Musk weiß, wie er den Kurs nach oben treibt. Und nutzt die Börsen-Rally gleich noch, um sich frisches Kapital zu besorgen.

Elon Musk ist mit seinem Aktiensplit offenbar wieder ein Coup geglückt. Die bereits am 11. August angekündigte Teilung im Verhältnis 5:1 hat den Kurs der Tesla-Aktie am Montag noch einmal um zwölf Prozent nach oben schießen lassen. In den drei Wochen zuvor hatte der Markt auf die Nachricht bereits mit einer Kursexplosion von unglaublichen 70 Prozent reagiert. Und wie es scheint, gibt es durchaus noch Luft nach oben.

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Die Idee hinter Aktiensplits ist simpel, im Grunde ist es ein geschickter Marketingtrick der Unternehmen: Der Kurs eines Papiers wird durch die Teilung optisch günstiger gemacht. So hoffen die Firmen, neue Investoren zu gewinnen. Denn insbesondere Kleinanleger scheuen sich für eine einzelne Aktie mehrere hundert Dollar oder Euro auszugeben. Für ein Tesla-Papier waren vor dem Split 2300 Dollar fällig. Aktionäre, die den Anspruch haben, ihr Depot zu durchmischen, kaufen von so einem Schwergewicht logischerweise nur wenige Papiere. Sind die Preise niedriger, leisten sie sich eher mehr, lehrt die Erfahrung. Es ist also vor allem ein psychologischer Effekt.

Zumal sich auf der Vermögensseite durch den Tesla-Split nichts geändert hat: Den Anlegern wurden lediglich für jede alte Aktie zusätzlich vier neue Aktien in die Depots gebucht. Alle fünf Papiere zusammen waren nach dem Split genauso viel wert wie die eine alte Aktie. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens blieb also unverändert.

Den Leerverkäufern ein Schnippchen geschlagen?

Woher die Börsen-Euphorie bei Tesla rührt, ist schwierig zu sagen. Laut der US-Finanzagentur Bloomberg haben sich zuletzt unter anderem Investoren der neuen US-Trading-App Robinhood im großen Stil eingedeckt. Am Juli sollen fast 40.000 Kontoinhaber innerhalb von nur vier Stunden Tesla-Aktien gekauft haben. Doch nicht nur in den USA fliegen Anleger auf den Elektroautopionier. Südkoreanische Privatanleger sollen in diesem Jahr ebenfalls auffällig aktiv geworden sein. Sie sollen mittlerweile rund ein Prozent an dem Autobauer halten.

Bei der jüngsten Kursexplosion könnten auch die Shortseller eine Rolle spielen. Sie haben bei Tesla schon immer sehr stark auf fallende Kurse gesetzt. In der Vergangenheit mussten sie Millionen Aktien zu einem höheren statt - wie vorgesehen - einem günstigeren Kurs zurückkaufen, um ihre fehlgeschlagenen Wetten zu schließen. Das Problem dabei: Mit ihren Käufen treiben sie den Kurs nach oben. Der Verlust durch ihre offenen Wetten wird immer größer.

Ob es sich bei dem jüngsten Kurssprung um einen Short-Squeeze handelt, wie es die Fachleute nennen, lässt sich jedoch nicht mit Gewissheit sagen. Zahlen hierzu kursieren nicht. "Doch es sind sicherlich auch noch diverse Käufer unterwegs, die sich aufgrund vertraglicher Konstellationen mit Tesla-Aktien eindecken müssen. Nichtsdestotrotz gibt es aber auch viele Investoren, die auf weitere Kursteigerungen bei Tesla setzen", sagt Frank Schwope von der NordLB ntv.de.

Ob Privatanleger wegen des Aktiensplits dauerhaft mehr zugreifen und der Aktienkurs von Tesla dadurch weiter steigen wird, wird sich zeigen. Zum Handelsauftakt am Dienstag halten sich die Investoren zunächst zurück. Tesla wartet unterdessen mit der nächsten börsenrelevanten Nachricht auf: Durch den Verkauf neuer Aktien will der Konzern bis zu fünf Milliarden Dollar einnehmen, wie der Autobauer der US-Börsenaufsicht SEC mitteilte. Tesla will die Rally offenbar nutzen, um sich in der derzeitigen Rally frisches Kapital zu besorgen.

Anlageberater Adrian Roestel von der Vermögensberatung Huber, Reuss und Kollegen warnt vor Hypes rund um Splits. Er empfiehlt Privatanlegern, Aktien nicht allein aus diesem Grund zu kaufen. "Das wäre Casino und hat mit langfristiger Vermögensanlage nichts zu tun", sagte Roestel der "Süddeutschen Zeitung". "Stattdessen sollten sich Anleger lieber mit der Substanz der Unternehmen und ihren langfristigen Chancen befassen."

"Durchgestartet wie eine SpaceX-Rakete"

Die NodLB verweist bei Tesla auf die exorbitante Marktkapitalisierung von rund 412 Milliarden Dollar und mahnt deshalb zur Vorsicht. Das Unternehmen sei "gegenwärtig teurer als alle europäischen, alle amerikanischen und fast alle japanischen Automobil-Hersteller (mit Ausnahme von Toyota) zusammen", schreibt Analyst Frank Schwope. Wer der Meinung sei, dass Tesla mehr wert ist als BMW, Daimler, Volkswagen, PSA, Renault, Fiat Chrysler, Ford, GM, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru und Suzuki zusammen, der solle die Aktie halten oder gar kaufen. "Wir glauben allerdings, dass die Tesla-Aktie überbewertet ist."

Die Aktie sei in den vergangenen Monaten zwar durchgestartet wie eine SpaceX-Rakete, "doch die Verkaufszahlen der Elektroautos blieben am Boden; die Gewinngrößen aus dem Autoverkauf präsentierten sich sogar unterirdisch." Die Analysten gehen davon aus, "dass Auto-Produktion und -Absatz im Jahr 2020 gegenüber dem Jahr 2019 branchenweit global um 15% - 25% einbrechen werden". Die NordLB rät Anlegern zum Verkauf von Tesla-Papieren. Den Aktiensplit eingerechnet liegt das neue Kurziel bei 130 US-Dollar je Aktie.

Independent Research ist ähnlich negativ eingestellt. Das Analysehaus hat das Kursziel anlässlich des Aktiensplits von 540 auf 109 Dollar gesenkt. Der Elektroautobauer verfüge ohne Zweifel über eine sehr starke Marke. Da die Konkurrenz aber zunehmen dürfte, sei das Kursniveau nicht gerechtfertigt. Möglicherweise wirft aber schon ein anderes Ereignis seine Schatten voraus: Tesla steht vor einer Aufnahme in den US-Index S&P 500. Investmentfonds, die den Index abbilden, sind dann gezwungen Tesla-Aktien zu kaufen. Spekulieren Investoren auf eine steigende Nachfrage, werden sie den Kurs weiter nach oben treiben. So oder so, Musk dürfte erstmal zufrieden sein. Nach dem Split ist er nun sogar noch reicher als Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Quelle: ntv.de