Wirtschaft

Chefwechsel bei Deutscher Bank Aktionäre feiern Befreiungsschlag

Rund 9 Milliarden an Strafzahlungen, etwa 6000 anhängige Prozesse und eine chronische Underperformance der Aktie: Die Kritik an der Doppelspitze der Deutschen Bank ebbt nicht ab. Der Aufsichtsrat zieht die Reißleine - und das kommt am Markt an.

Die Titel der Deutschen Bank haben mit einem Kurssprung auf den anstehenden Führungswechsel bei Deutschlands größtem Bankhaus reagiert. Der Aktienkurs zog am Vormittag um zeitweise mehr als 8 Prozent bis auf ein Tageshoch von 29,87 Euro an. Danach pendelten die Papiere lange um einen Aufschlag von 6 Prozent. Am Ende blieb ein Kursgewinn von etwa 4 Prozent bei einem negativen Gesamtmarktumfeld.

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Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hatte John Cryan zum neuen Co-Vorstandsvorsitzenden ernannt. Er tritt das Amt am 1. Juli an. Ab 19. Mai 2016 wird Cryan alleiniger Vorstandsvorsitzender der Bank. Bis zu diesem Termin wird Jürgen Fitschen sein Amt noch wahrnehmen. Anshu Jain wird laut Deutscher Bank bereits zum 30. Juni 2015 zurücktreten. Damit legen Fitschen und Jain ihre Ämter vorzeitig nieder.

Vorschusslorbeeren von Analystenseite

"Erleichterung ist klar spürbar", sagte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. Seit dem Amtsantritt der bisherigen Führungsspitze Jürgen Fitschen und Anshi Jain im Juni 2012 bewegte sich der Aktienkurs seitwärts, legte nur rund 2 Prozent zu. Der Dax performte ihn in dieser Zeit um das 40-fache aus. Gleichzeitig musste das Finanzinstitut rund 9 Milliarden Dollar an Strafzahlungen in diesem Zeitraum zahlen. Zudem sind noch etwa 6000 Prozesse anhängig. Die Entscheidung für John Cryan als neuen Chef werte der Markt als Befreiungsschlag, so Dofel.

"Der Vorstandswechsel ist klar positiv", sagte Heino Ruland von Ruland Research. Der neue Co-Vorstandsvorsitzende Cryan habe eine erfolgreiche Laufbahn im Investmentbanking hinter sich. Er habe den Verkauf der ABN Amro an die RBS gemanagt, und später als Finanzvorstand der UBS Asset-Verkäufe von mehr als einer Billion Dollar auf den Weg gebracht, erläuterte er.

"Das Vertrauen im Markt wird aber nun deutlich zunehmen", sagte Jefferies-Analyst Omar Fall. "Wenn er es nicht schafft, schafft es keiner. Die Deutsche Bank verändert ihr Management von einem der am wenigsten vertrauenswürdigen zu einem der best angesehensten."

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts

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