Wirtschaft

Gegenwind zur Hauptversammlung Aktionärsberater kritisiert VW

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Ungeklärte Fragen: Der Abgas-Skandal beschäftigt VW wohl auch auf der Hauptversammlung 2017.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Aufarbeitung des Abgas-Skandals droht das große Aktionärstreffen bei Volkswagen zu überschatten. Eine Londoner Investmentfirma ruft Anleger dazu auf, dem VW-Vorstand bei der morgigen Hauptversammlung die Entlastung zu verweigern.

Der britische Vermögensverwalter Hermes EOS hat seine Kritik an der Aufklärung der Dieselkrise durch Volkswagen erneuert und dringt auf eine unabhängige Prüfung. "Wir glauben, dass Volkswagen die Probleme nicht systematisch angegangen ist", kritisierte Hermes-Manager Hans-Christoph Hirt.

VW Vorzüge
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Hermes EOS versteht sich selbst als Aktionärsberater, der Anlegern helfen will, auch unter gesellschaftlichen Gesichtspunkten "besser zu investieren". Das Unternehmen mit Sitz in London verwaltet eigenen Angaben zufolge 30,8 Milliarden Pfund (rund 36,5 Milliarden Euro).

Hirt empfahl den VW-Aktionären auf der anstehenden Hauptversammlung des VW-Konzerns, sowohl gegen eine Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat als auch gegen das neue Vergütungssystem zu stimmen. Volkswagen hat seine Aktionäre für den morgigen Mittwoch nach Hannover zur Hauptversammlung geladen.

Wie zuvor bereits andere Anteilseigner monierte Hermes, dass Volkswagen die Ermittlungsergebnisse der US-Kanzlei Jones Day in dem Dieselskandal bislang noch nicht öffentlich gemacht hat. Dadurch blieben sowohl die Hintergründe der Abgasmanipulation als auch die Rolle des Managements und des Aufsichtsrats weiter im Dunkeln.

Wer wusste wann was?

Die Anwaltskanzlei Jones Day hatte über mehr als ein Jahr hinweg eine enorme Menge an Schriftstücken, Akten und anderen Informationen zum Abgas-Skandal gesichtet und ausgewertet. Die Veröffentlichung des Abschlussberichts der von VW beauftragten Ermittler hatte der VW-Vorstand wiederholt versprochen, zuletzt aber laufende Verfahren hingewiesen, die durch einen Abschlussbericht beeinträchtigt werden könnten.

Der einflussreiche Aktionärsberater erkannte zwar Fortschritte bei der Erneuerung der Vorgaben für Integrität und Compliance von Volkswagen an. Dies reiche aber nicht aus. "Das Unternehmen sollte daher eine systematische, unabhängige Überprüfung und Analyse dessen vornehmen, was schief gelaufen ist." Das umfasse auch die Frage, welche Rolle die Unternehmenskultur bei Volkswagen bei dem Skandal gespielt habe.

Politik sitzt mit im Aufsichtsrat

Hermes monierte erneut die Zusammensetzung des VW-Aufsichtsrats, den er für nicht unabhängig genug hält. Investoren ist auch die Rolle des Landes Niedersachsen als zweitgrößter Aktionär bei dem Wolfsburger Autobauer schon länger ein Dorn im Auge. Die Landesregierung in Hannover verfügt bei VW über eine Sperrminorität: Das Land Niedersachsen kontrolliert 20 Prozent der Stimmrechte bei VW. Damit kann die Politik strategische Entscheidungen bei dem wichtigsten Arbeitgeber in der Region unmittelbar beeinflussen.

Im zurückliegenden Monat konnte Volkswagen weltweit etwas weniger Autos seiner Kernmarke verkaufen als ein Jahr zuvor. Die weltweiten Auslieferungen gingen im vergangenen Monat um 1,8 Prozent auf 468.000 Stück zurück, wie der Autobauer mitteilte. Weniger Fahrzeuge setzte der Konzern insbesondere in Europa, Nordamerika und Brasilien ab. Vor allem auf dem deutschen Heimatmarkt musste Volkswagen einen deutlichen Absatzrückgang um 13 Prozent verkraften.

Grund für das Verkaufsminus sei der geplante Modellwechsel in der Golf-Familie in Westeuropa gewesen, erklärte Marken-Vertriebschef Jürgen Stackmann. In Westeuropa betrug das Minus 9,9 Prozent, wohingegen Volkswagen in Mittel- und Osteuropa 12,9 Prozent mehr Fahrzeuge an die Kunden bringen konnte. Vor allem das Geschäft in Russland lief besser, hier lieferte der Konzern 21,4 Prozent mehr Fahrzeuge aus. Im wichtigen China-Geschäft betrug das Plus 4,3 Prozent.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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