Wirtschaft
Anlaufstelle für E-Fahrer: Die großen deutschen Handelsketten haben die Elektromobilität entdeckt.
Anlaufstelle für E-Fahrer: Die großen deutschen Handelsketten haben die Elektromobilität entdeckt.(Foto: dpa)
Samstag, 11. August 2018

Volltanken vor dem Supermarkt: Aldi wirbt mit E-Ladestationen

Bis 2020 wollte die Bundesregierung eigentlich eine Million E-Autos auf die Straße bringen. Doch von diesem Ziel ist Deutschland noch weit entfernt. Das Problem: Der Ausbau der Ladestationen läuft schleppend. Handelskonzerne wollen diese Marktlücke nutzen.

Für Elektroauto-Besitzer dürften Fahrten quer durch Deutschland bald etwas einfacher werden. Aldi Süd rüstet 28 Filialen in der Nähe der großen deutschen Autobahnen mit Schnellladesäulen aus, an denen die Kunden ihre Fahrzeuge kostenlos aufladen können. Je nach Fahrzeugtyp sei damit in gut 30 Minuten eine Reichweitenverlängerung von bis zu 200 Kilometern möglich, verspricht das Unternehmen.

Video

Der Hintergrund: Die großen deutschen Handelsketten haben die Elektromobilität als Thema entdeckt, mit dem sie sich beim Kunden profilieren können. Schließlich sind öffentliche Stromladestationen in Deutschland bislang noch recht dünn gesät, und Schnellladesäulen haben geradezu Seltenheitswert. Das "Handelsblatt" titelte erst kürzlich: "Deutschland ist bei Ladestationen für Elektroautos ein Entwicklungsland". Die offizielle Zielvorgabe der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 einen Anteil von einer Million E-Fahrzeugen im deutschen Straßenverkehr zu erreichen, gilt längst als unerreichbar.

Auch Ikea, Rewe und Lidl werben um E-Autofahrer

Immer mehr Händler tragen dazu bei, die Lücken im Netz wenigstens ein bisschen zu schließen. Ikea etwa hat inzwischen zwei Drittel seiner 53 Einrichtungshäuser mit E-Tankstellen ausgestattet. Bis 2019 sollen auch die restlichen Standorte folgen. Besonders an Freitagen und Samstagen werde das Angebot rege genutzt, heißt es beim Unternehmen.

Video

Auch der Lebensmittelhändler Rewe hat an seinen Läden mehr als 50 Ladesäulen eingerichtet. Die Ladenkette Kaufland will bis Anfang 2019 mehr als 100 Schnellladestationen zur Verfügung stellen. Lidl bietet dem jüngsten Nachhaltigkeitsbericht zufolge an 9 Filialen die Möglichkeit, Strom zu tanken. "Unser Ziel ist es, zukünftig jede neu eröffnete Filiale mit einer E-Ladesäule auszustatten", teilt das Unternehmen mit.

"Für die Unternehmen lohnt sich das Engagement beim Thema Elektromobilität auf jeden Fall. Es stärkt das Image. Die Marke wirkt dadurch jugendlicher und umweltfreundlicher", erklärt der Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU die Strategie der Händler. Außerdem lockten die Elektro-Tankstellen eine attraktive, zahlungskräftige Kundengruppe an. Denn nur Wohlhabende könnten sich bislang die vergleichsweise teuren E-Modelle von Tesla und Co. leisten.

Aldi Süd gilt als einer der Vorreiter der Entwicklung. Der Discounter begann bereits 2015 mit der Installation der ersten Ladesäulen an Pilotfilialen und verfügt mittlerweile an mehr als 50 Standorten über Elektrotankstellen. Allerdings liegen diese bislang in aller Regel in Großstädten. Im nächsten Schritt will das Unternehmen jetzt ein Angebot entlang der großen Hauptverkehrsrouten durch Deutschland ausrollen und dort ausgewählte Niederlassungen mit Ladesäulen ausrüsten.

Aldi Nord hat noch keine Pläne

"Bisher haben wir uns auf die Ballungszentren und Innenstädte konzentriert. Jetzt ermöglichen wir unseren Kunden auch, ihre Urlaubsfahrten mit uns zu planen", sagte der Leiter Energiemanagement bei Aldi Süd, Florian Kempf, bei der Eröffnung einer neuen Ladestation im hessischen Seeheim-Jugenheim nahe der A5. Die Aldi-Filialen mit E-Anschluss liegen nach Unternehmensangaben maximal fünf Minuten Fahrzeit von den Autobahnen A3, A5, A6, A7, A8 und A9 entfernt.

Wer die Autobahnkarten zu Rate zieht, bemerkt schnell: Die Stationen finden sich bislang nur in Süd- und Westdeutschland, dort wo Aldi Süd präsent ist. Denn das Schwesterunternehmen Aldi Nord macht bei der Aktion nicht mit. "Aldi Nord verfügt derzeit über keine Ladestationen für Eletronik-Fahrzeuge", räumte das Unternehmen auf Anfrage ein. Ein Grund dafür sei, dass es noch mehrere verschiedene Ladesysteme gebe und man den Kunden aber gern eine einheitliche Lösung anbieten wolle. Fakt ist auch: Die Nachfrage scheint noch recht überschaubar. Aldi Süd jedenfalls registriert je Station durchschnittlich gerade einmal "vier bis fünf Ladevorgänge pro Öffnungstag".

Bilderserie

Quelle: n-tv.de