Wirtschaft

Bitcoin rutsch weiter abAlphabet und Qualcomm verderben US-Anlegern die Stimmung

05.02.2026, 23:12 Uhr
00:00 / 05:32
A-specialist-trader-works-at-his-post-on-the-floor-at-the-New-York-Stock-Exchange-NYSE-in-New-York-City-U-S-January-21-2026
Die hohen KI-Investitionen von Alphabet werden an der Wall Street kritisch hinterfragt. (Foto: REUTERS)

An den US-Börsen geht es weiter nach unten, vor allem der Technologiesektor steht unter Druck. Einer der Gründe: KI-Investitionen erweisen sich als teurer als erwartet. Auch wichtige Quartalsberichte kommen an der Wall Street nicht gut an.

Konzernbilanzen unter den Markterwartungen und Kursverluste in der Kryptobranche haben die Wall Street am Donnerstag belastet. Der US-Standardwerteindex Dow Jones verlor 1,2 Prozent auf 48.909 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab 1,6 Prozent auf 22.541 Zähler nach und der breit gefasste S&P 500 büßte 1,2 Prozent auf 6798 Stellen ein. Für schlechte Stimmung sorgte unter anderem die Google-Mutter Alphabet. Nach einem schwachen Handelstag dämmte die Aktie die Verluste auf 0,5 Prozent ein.

"Der KI-Trend, der im vergangenen Jahr als Beschleuniger wirkte, erweist sich in diesem Jahr eher als Bremse, da Anleger erkennen, dass KI zwar bestimmten Unternehmen hilft, anderen aber schadet - insbesondere Softwarefirmen", sagte Melissa Brown vom Finanzdienstleister Simcorp. "Dann wurden Ergebnisse vorgelegt und fielen nicht ganz so gut aus wie erhofft. Das war der Auslöser für den Ausverkauf." Hintergrund war unter anderem, dass das KI-Unternehmen Anthropic ein Zusatzmodell für seinen Chatbot Claude vorgestellt hat. Dieses kann auch juristische Aufgaben automatisieren. Bisherige Software-Abomodelle, die Juristen nutzen, könnten damit überflüssig werden.

Hohe Kosten machen Anleger nervös

Für lange Gesichter sorgten auch erhöhte Kosten. Alphabet kündigte am Mittwoch eine Verdoppelung der Investitionen in neue Rechenzentren auf 175 bis 185 Milliarden Dollar an. Das sind etwa 50 Prozent mehr, als Analysten auf dem Zettel hatten. Die Aktie gab nach der Mitteilung um rund drei Prozent nach. "Die anhaltend kritische Prüfung der KI-Investitionen sorgt weiter für Nervosität unter Anlegern", sagte Thomas Monteiro, Analyst bei Investing.com.

Auch der Finanzbericht des Chipkonzerns Qualcomm verunsicherte die Anleger. Der weltgrößte Anbieter von Smartphone-Chips blieb mit seinem Ausblick wegen Lieferengpässen hinter den Markterwartungen zurück und schloss mit einem Minus von 8,5 Prozent. Mit nach unten zogen Alphabet und Qualcomm weitere wichtige Technologieaktien: Die Papiere von Unternehmen wie Amazon, Microsoft und Tesla gaben zwischen 2,2 und fünf Prozent nach.

Nach enttäuschenden Quartalszahlen gerieten Peloton-Titel noch stärker unter Druck. Der Hersteller von Fitnessgeräten schloss 25,7 Prozent im Minus. Auch Snap und Rockwell Automation gingen mit Kursverlusten aus dem Handel. Die Papiere des Snapchat-Betreibers und des Industriespezialisten büßten 13,4 Prozent und 5,4 Prozent ein.

Gefragt waren hingegen nach überraschend starken Zahlen die Titel des Handtaschenherstellers Tapestry und des Pharmakonzerns Bristol-Myers Squibb, die um 10,2 und 3,3 Prozent zulegten.

Druck auf Kryptobranche hält an

Die Verluste beim Bitcoin weiteten sich unterdessen aus. Die umsatzstärkste Kryptowährung verlor 12,2 Prozent auf 63.872 Dollar. Unter Druck gerieten dadurch die Aktien von Unternehmen aus der Kryptobranche: Strategy, Mara, Coinbase und Bitfarms brachen um 13,3 bis 18,7 Prozent ein. "Eine toxische Mischung aus Zinsängsten, der Auflösung hoch gehebelter Positionen und Gewinnmitnahmen treibt Investoren in die Flucht", resümierte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. "Sollten nun hartgesottene Marktteilnehmer Zweifel bekommen, könnte ein bislang stabilisierender Faktor ins Wanken geraten."

Im Blick behielten die Investoren zudem die Geopolitik. Die Einigung der USA und des Irans auf Gespräche im Oman ließ die Ölpreise purzeln: Die Nordsee-Rohölsorte Brent und US-Leichtöl WTI verbilligten sich um jeweils etwa drei Prozent auf 67,31 und 63,06 Dollar je Fass (159 Liter).

Der Ausverkauf bei den Edelmetallen ging unterdessen in eine neue Runde: Silber verbilligte sich um 18 Prozent auf 72,22 Dollar je Feinunze. In der vergangenen Woche hatte der Preis noch ein Rekordhoch von 121,64 Dollar erreicht. Gold gab rund 3,7 Prozent auf 4784 Dollar nach.

Quelle: ntv.de, ino/rts

AktienhandelDow JonesWall StreetAktienkurse