Wirtschaft

Geschäfte am Sonntag öffnen? Altmaier will die Innenstädte retten

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Große Ladenketten, Warenhäuser und Einkaufszentren wie in der Münchner Altstadt machen kleinen Geschäften zu schaffen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Große Einkaufszenten und Online-Händler setzen kleineren Geschäften zu - die Pandemie verschärft die Lage zusätzlich. Wirtschaftsminister Altmaier kündigt Konzepte an, die die Stadtzentren beleben sollen. Eine Idee sticht hervor.

Ob Bücher, Spiele, Kleidung oder Haushaltsgeräte: Zum Einkaufen muss man heute kaum noch das Sofa verlassen. Der Trend zum Online-Shopping geht auf Kosten kleinerer Geschäfte und damit auch der deutschen Innenstädte, die zunehmend veröden. Die Pandemie verschärft die Lage für Händler zusätzlich - nun will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ihnen unter die Arme greifen. Und zwar nicht nur mit Überbrückungshilfen gegen die Corona-Folgen, die bis Mitte 2021 verlängert werden. Ziel sei eine "Trendwende" hin zu mehr neuen Geschäften und lebendigen Stadtzentren, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Aber wie genau?

Um das zu erörtern, hatte Altmaier mehr als 20 Expertinnen und Experten zum digitalen Austausch gebeten. Weitere Gespräche sollen folgen, an deren Ende ein schnell umsetzbares Handlungskonzept stehen soll. 2021 solle das Ladensterben gestoppt und 2022 umgekehrt werden, sagte Altmaier - dann sollten es wieder mehr Menschen wagen, sich in den Innenstädten selbstständig zu machen. Es gehe nicht nur um wirtschaftliche Fragen, sondern um die kulturelle Identität.

Doch der Weg dahin ist weit. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, Stefan Genth, sieht derzeit bundesweit bis zu 50.000 Geschäfte in Gefahr. Der Umsatz liege derzeit im Schnitt etwa 30 Prozent unter dem Normalwert - weil die Leute coronabedingt weniger in die Städte gingen. Altmaier betonte, dass die Pandemie die Probleme vergrößere, leere Geschäfte aber nicht neu seien. Schon vor der Corona-Krise habe der Einzelhandel in einigen Bereichen bis zu 30 Prozent des Umsatzes an Online-Händler abgeben müssen, dazu komme die Konkurrenz durch Einkaufszentren auf der "grünen Wiese".

Einzelhändler von Online-Ökonomie profitieren

Digitalisierung ist aus Sicht der Experten einer der Schlüssel - oder auch die "Verlängerung der Ladentheke ins Internet". Sprich, Kunden sollen nicht nur bei Amazon, Zalando und anderen großen Händlern online shoppen können. "Es geht nicht darum, den Online-Handel gegen den stationären Handel auszuspielen", betonte Altmaier. Aber von den Vorteilen der Online-Ökonomie sollten auch Einzelhändler profitieren. Der HDE fordert dafür ein Hilfsprogramm für Händler, also finanzielle Unterstützung, aber auch Begleitung durch Fachleute.

Solche konkreten Zusagen machte Altmaier aber noch nicht - sie könnten Teil des angestrebten Konzeptes werden. Einen Zeitplan dafür nannte Altmaier nicht. Konkret kündigte der Minister aber an, sich erneut für mehr Sonntagsöffnungen während der Pandemie einzusetzen - für den Sommer sei das mit dem Koalitionspartner SPD nicht zu machen gewesen. Werde man sich weiter nicht einig, sollten Bundesländer vorangehen.

Digitalisierung ist für den Einzelhandel im Jahr 2020 natürlich kein Neuland mehr. Es gibt bereits Workshops und Programme. "Kunden wollen rund um die Uhr einkaufen", sagte Tina Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung von Douglas. Dass die Drogerie-Handelskette online stark sei, habe ihr während der Hochphase der Corona-Krise zu Wachstum verholfen, sagte sie. Heute kämen fast 40 Prozent des Umsatzes aus dem Netz-Geschäft. Diese Möglichkeit hätten kleinere Händler oft nicht, es brauche Konzepte zur Unterstützung. Stationärer Handel stehe aber auch für Beratung und Begegnung, was ihn einzigartig mache.

Grüne sehen Schuld bei Minister

Mehrere Unternehmen, darunter Douglas oder Vodafone, haben bereits Plattformen und "Marktplätze" gegründet, über die sie kleineren Händlern helfen, Produkte online zu vermarkten. Der Verband HDE hat gemeinsam mit Amazon im September ein Programm gestartet, das Wissen zum Online-Handel vermitteln soll.

Kritik auf Altmaiers Ausführungen kam von den Grünen, die durchaus Schuld beim Wirtschaftsminister sehen. "Es ist völlig unverständlich, warum Altmaier erst jetzt merkt, dass er sich um die Innenstädte kümmern muss", erklärten Katharina Dröge, Sprecherin für Wirtschaftspolitik, und Daniela Wagner, Sprecherin für Stadtentwicklung der Grünen-Fraktion. Sie forderten eine "faire Risikoteilung zwischen gewerblichen Mietern und Vermietern bei den Mietkosten in dieser Krise" sowie einen 500 Millionen Euro schweren Notfallfonds für die Innenstädte. Außerdem sollten über die Städtebauförderung 290 Millionen Euro für Digitalisierungsprojekte bereitgestellt werden.

Der kommunalpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Bernhard Daldrup, mahnte Vereinfachungen bei der Städtebauförderung des Bundes an und sprach sich in diesem Zusammenhang für "multifunktional nutzbare Gebäude statt klassischer Einkaufstempel" aus. Leerständen sei nicht allein mit verlängerten Überbrückungshilfen und Neuvermietungen zu begegnen, erklärte Daldrup.

Quelle: ntv.de, Theresa Dapp, dpa