Wirtschaft

Vom Hersteller zur Haustür Amazon überrascht mit Billig-Lieferkette

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Die Amazon-Welt wächst: Das weltgrößte Onlineunternehmen bindet seine Händler mit neuen Lockangeboten noch enger an sich.

(Foto: imago images/Xinhua)

Amazon startet einen eigenen Frachtdienst aus Übersee. Unter dem Namen "Amazon Global Logistics" will der Online-Versender künftig die komplette Lieferkette für seine Händler abdecken. Die aufgerufenen Kampfpreise werden es Spediteuren schwer machen, da mitzuhalten, warnen Experten.

Der weltgrößte Online-Versender baut unter dem Namen "Amazon Global Logistics" - kurz AGL - ein neues Geschäftsfeld auf, mit dem er tief in den Frachtmarkt eindringt. Das Ziel: Amazon übernimmt für die unabhängigen Händler auf seinem Marktplatz künftig auch den weltweiten Transport der Waren. Quälende Lieferkettenprobleme und davon galloppierende Frachtpreise sollen damit endlich ein Ende haben.

Entsprechende Medienberichte über das Komplettangebot hat die Deutschlandtochter von Amazon inzwischen bestätigte. In der Praxis sähe das Angebot so aus, dass der US-Konzern Kapazitäten auf fremden Containerschiffen und in Frachtflugzeugen buche und diese dann den Importeuren zur Verfügung stelle, heißt es. Bislang liegt die Warenbeförderung bis in die regionalen Verteilzentren von Amazon überwiegend in der Hand der Marktplatzhändler sowie der von ihnen beauftragten Spediteure.

Der neue Frachtdienst würde den gesamten Transport vom Hafen in China bis zum Kunden an die Haustür von Amazon übernehmen. Der Vorteil für den Onlinehändler: Die gebuchten Container würden in chinesischen Häfen nur noch mit Amazon-Waren beladen und so komplett und auf direktem Weg im Warenverteilzentrum von Amazon in Rotterdam landen, von wo der Konzern sie dann – so wie üblich – bis an die Haustür weitertransportieren kann.

Die Importeure ihrerseits kämen zuverlässiger an ihre Waren, könnten den Nachschub besser kalkulieren und müssten keine horrenden Preise mehr für den Transport bezahlen. Ein einfacher Preisvergleich eines Hamburger Händlers von Toilettendeckeln, Duschvorhang-Stangen und Klobürsten ergab, dass eine 40-Fuß-Box aktuell bei AGL 7500 Euro kosten würde und bei anderen Logistikern 15.000 Euro.

Treibt Amazon Spediteure in die Pleite?

Amazon startet mit Kampfpreisen in den neuen Markt: Der Konzern unterbiete die von den Speditionen aufgerufenen Preise "massiv", zitiert das "Handelsblatt" die Zollexpertin und Wirtschaftsjuristin Francine Dammholz. Möglich sei das Kampfangebot, weil Amazon sich bei großen Reedereien vergleichsweise günstige Frachtraten gesichert habe, heißt es weiter. Erfahrungsgemäß tun sich Händler mit kleineren Aufträgen bei Preisverhandlungen deutlich schwerer.

Die noch verbliebene Lücke zwischen Hersteller und Hafen hatte Amazon bereits in einem anderen Angebot für seine Händler geschlossen. Damit ist die Lieferkette komplett. Die sogenannte erste Meile kann laut "Handelsblatt" sogar für die entlegensten Regionen Chinas gebucht werden.

Was für Amazon und die Importeure auf den ersten Blick von Vorteil ist, sehen Fachleute dennoch kritisch. "Am Ende könnte dies zu einem Massensterben unter den Speditionen führen, die sich auf Amazon-Händler spezialisiert haben", zitiert das Blatt die Zollexpertin Dammholz. Verschärfen dürfte sich das Problem, wenn Amazon nicht der einzige Online-Versender bleibt, der seine Logistik in Richtung der Hersteller ausbaut. Angeblich verdichten sich auch bei Zalando die Hinweise, dass der Service für Händler ausgebaut werden soll.

Grund dafür, dass die Großhändler sich nun plötzlich auch auf dem Speditionsmarkt tummeln, sind die anhaltenden Lieferkettenprobleme und der Warenstau seit Ausbruch der Pandemie. Die Frachtkosten auf Containerschiffen sind explodiert. Experten rechnen nicht damit, dass sich die Lage so schnell entspannt - dafür sorgen die Reedereien mit ausgeklügelten Preisstrategien, Amazon hat im vergangenen Jahr 61 Milliarden US-Dollar in Eigentum und Equipment investiert. Die Ausgaben waren weitsichtig und wohl kalkuliert.

Quelle: ntv.de, ddi

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