Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft kühlt ab Analyst: Schauen in konjunkturellen Abgrund

Baukräne auf einer Großbaustelle: Das Ifo-Institut erwartet für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent, das IfW ist mit 2,1 Prozent zurückhaltender.

Hohe Preise, vor allem bei Rohstoffen und Vorprodukten, trüben die Wirtschaftsperspektiven deutlicher als bisher.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Der monatliche Einkaufsmanagerindex soll die Stimmung bei Industrie und Dienstleistern abbilden. Der Wert spiegelt die Erwartung an die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands wider. Der jüngsten Auswertung zufolge geht dem Wirtschaftswachstum der Euro-Zone allmählich die Puste aus.

Das Wachstum der Wirtschaft in Deutschland und der Euro-Zone kühlt sich überraschend kräftig ab. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - sank im Juni um 2,4 auf 51,3 Punkte und damit auf ein Sechs-Monats-Tief, wie S&P Global zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 800 Firmen in Deutschland mitteilte. Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 53,1 Zähler erwartet. Damit hält sich das an den Finanzmärkten stark beobachtete Barometer nur noch leicht über der Marke von 50 Punkten, ab der es Wachstum signalisiert. Die Daten zeigten, "dass die deutsche Wirtschaft praktisch den gesamten Schwung verloren hat, den sie durch die Lockerung der Corona-Beschränkungen gewonnen hatte", sagte S&P-Global-Ökonom Phil Smith. Im Service-Sektor schwächte sich das Wachstum bereits das zweite Mal in Folge stark ab.

Während das Barometer allein für die Dienstleister unerwartet deutlich von 55,0 auf 52,4 Punkte zurückging, fiel der Index für die Industrie um 2,8 auf 52,0 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren. "Als Bremsklotz erwiesen sich die rückläufigen Auslandsbestellungen", erklärte S&P. Zudem gerate auch die Inlandsnachfrage infolge der gestiegenen wirtschaftlichen Unsicherheit und der anhaltend hohen Inflation unter Druck. "Die Zahlen enttäuschen auf ganzer Linie", erklärte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Die ungünstigen Rahmenbedingungen aus hohen Preisen, vor allem bei Rohstoffen und Vorprodukten, Lieferengpässen, Personalmangel und steigenden Zinsen trübten die Perspektiven deutlicher als bisher. Die für Juli erwartete Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) stehe damit nicht infrage, da die Geldpolitik wegen der Rekordinflation von 8,1 Prozent im Euro-Raum gegensteuern müsse. "Die längerfristigen Zinserwartungen erhalten wohl aber einen Dämpfer."

"Dem Wirtschaftswachstum geht allmählich die Puste aus"

Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Wirtschaft in der Euro-Zone sank unerwartet kräftig um 2,9 auf 51,9 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit 16 Monaten. "Dem Wirtschaftswachstum der Euro-Zone geht allmählich die Puste aus", sagte Chefvolkswirt Chris Williamson von S&P Global Markt Intelligence. "Denn der bisher kräftige Rückenwind durch den pandemiebedingten Nachfragestau lässt mehr und mehr nach und wurde vom Schock der steigenden Lebenshaltungskosten und dem sinkenden Unternehmens- und Verbrauchervertrauen überkompensiert." Die Daten signalisierten ein aktuelles Wachstum von "mickrigen 0,2 Prozent", nach plus 0,6 Prozent im ersten Quartal.

Die Firmen blickten so wenig optimistisch nach vorn wie zuletzt im Oktober 2020. Die hohe Inflation, anhaltende Lieferkettenprobleme und nun auch noch die immer realer werdende Gefahr eines Gas-Lieferstopps aus Russland belasteten die Wirtschaft zunehmend, sagte LBBW-Experte Elmar Völker. "Wir schauen immer mehr in einen konjunkturellen Abgrund - noch sind wir nicht gefallen, aber allzu viele Schritte sind es nicht mehr bis zur Klippe." Auch in Frankreich verlor die Wirtschaft spürbar an Tempo und wuchs so langsam wie seit dem Corona-Gegenwind durch die Omikron-Welle im Januar nicht mehr.

Quelle: ntv.de, mba/rts

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