Wirtschaft

Deutsche-Bank-Manager vor Gericht Anklage beschreibt Plan der Bank-Chefs

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Die Deutsche-Bank-Manager und ihre Anwälte im Verhandlungssaal des Landesgerichts München

(Foto: dpa)

Der Staatsanwaltschaft beschreibt eine Verschwörung von ehemaligen und aktiven Managern der Deutschen Bank gegen den mittlerweile verstorbenen Medienmogul Kirch. Der amtierende Co-Vorstandschef Fitschen kämpft in dem Prozess um seinen Ruf.

Zu Beginn des Prozesses gegen ehemalige und aktuelle Chefs der Deutschen Bank hat die Staatsanwältin das Verhalten der Banker als Verschwörung geschildert, mit der der damalige Medienunternehmer Leo Kirch um seinen Schadenersatzanspruch habe betrogen werden sollen. "Die Angeklagten begannen damit gemeinsam, den vom Angeklagten Dr. Breuer bereits zuvor gefassten und von ihm am 25.02.11 begonnenen Tatplan fortzuführen", sagte die Staatsanwältin Christiane Serini bei der Verlesung der Anklage vor dem Landgericht München.

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Der aktuelle Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, war nach Ansicht der Anklage nicht so tief in Betrugsversuche zulasten des Medienmoguls verstrickt wie die vier Mitangeklagten. Fitschen habe weniger energisch als seine Vorgänger Rolf Breuer und Josef Ackermann und zwei weitere Ex-Vorstände versucht, in dem von Kirch betriebenen Schadenersatzprozess die Justiz zu täuschen, sagte Serini.

Der damalige Deutsche-Bank-Chef Breuer hatte in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Kirch verklagte die Bank auf zwei Milliarden Euro. Kernfrage in dem Schadenersatzprozess vor dem Oberlandesgericht München war, ob Breuer mit dem Interview beabsichtigte, der Bank lukrative Aufträge zur Zerschlagung der Mediengruppe zu verschaffen.

Breuer übte mit Rollenspiel

Breuer bestritt ein Interesse der Bank an solchen Aufträgen von Kirch. Doch das damalige Gericht glaubte ihm nicht und sprach von einem Täuschungsversuch, obwohl Breuer Rückendeckung von seinen Vorstandskollegen bekam.

Breuer soll sich sogar durch Rollenspiele gezielt auf Aussagen vorbereitet haben, um damit Schadenersatzforderungen der Kirch-Erben abzuwehren. "Für diesen Probeprozess hatten die Prozessanwälte nicht nur Fragen, sondern auch schon Antworten für den Angeschuldigten Dr. Breuer entworfen", heißt es in der Anklage. In dem Rollenspiel habe einer der Prozessanwälte auch den Richter gespielt, vor dem Breuer damals aussagen musste.

Während Breuer, Ackermann und die mitangeklagten Ex-Vorstände Clemens Börsig und Tessen von Heydebreck falsch ausgesagt hätten, habe Fitschen versucht, sich herauszuwinden, sagte Staatsanwältin Serini. "Fitschen hielt sich nicht an die zumindest stillschweigend geschlossene Vereinbarung."

Fitschen will Freispruch erster Klasse

Fitschen habe demnach versucht, Falschaussagen zu vermeiden, ohne dabei die Abwehrstrategie seiner Kollegen zu torpedieren. Damit habe er sich des schweren Betrugs mitschuldig gemacht. Im äußersten Fall drohen den Angeklagten bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Fitschen droht in dem Prozess wahrscheinlich keine Haftstrafe. Eine Verurteilung dürfte ihn aber seinen Chefposten bei Deutschlands größter Bank kosten. Für das Institut geht es zudem darum, seinen angekratzten Ruf zu retten. Die Deutsche Bank ist in zahlreiche Prozesse und Skandale in mehreren Ländern verwickelt. Gerade erst haben britische und amerikanische Behörden eine Rekordstrafe von mehr als 2 Milliarden Euro gegen die Bank wegen Manipulation des wichtigen Referenzzinses Libor verhängt.

Fitschen und die anderen Angeklagten haben mehrfach ihre Unschuld beteuert. Berichten zufolge wies Fitschen auch einen angebotenen Deal mit der Staatsanwaltschaft zurück. Er kämpft um einen Freispruch erster Klasse.

Quelle: n-tv.de, mbo/dps/rts

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