Wirtschaft

Start in US-Bilanzsaison Anleger befürchten Corona-Rückschläge

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Die wachsende Gefahr vor Kursrückschlägen sorgt für Unsicherheit auf den Märkten.

(Foto: REUTERS)

Die Marktteilnehmer starten zurückhaltend in die US-Bilanzsaison. Die steigenden Neuinfektionen schüren Ängste vor neuen Kurseinbrüchen. Auch die Entscheidung über einen neuen EU-Wiederaufbaufonds lässt Börsianer nicht jubeln.

Zum Auftakt der US-Bilanzsaison werden sich Anleger Experten zufolge mit größeren Engagements an den Aktienmärkten zurückhalten. "Historisch gesehen dauert es im Durchschnitt drei Jahre, bis die Unternehmensgewinne wieder das Niveau erreichen, das sie vor der Krise hatten", sagt Guilhem Savri, Manager beim Vermögensverwalter Unigestion. In dieser Hinsicht hätten Investoren mit ihrer Skepsis gegenüber der Aktien-Hausse der vergangenen Monate recht, die sich unter anderem im steigenden Goldpreis widerspiegele.

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Die "Antikrisen-Währung" knackte in der alten Woche erstmals seit knapp neun Jahren wieder die Marke von 1800 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Der Dax kam dagegen kaum vom Fleck, notierte mit gut 12.500 Punkten aber weiterhin rund 50 Prozent über seinen Tiefs vom März.

Marko Behring, Chef der Vermögensverwaltung bei der Fürst Fugger Privatbank, warnt wegen der steigenden Virus-Neuinfektionen vor allem in den USA vor einer wachsenden Gefahr von Kursrückschlägen an den Aktienmärkten. "Wir müssen genau beobachten, ob Investoren die Risiken der Virusausbreitung nicht genauso unterschätzen wie sie es zu Jahresbeginn getan haben." Notenbanken und Regierungen hätten die Aktienmärkte mit ihren billionenschweren Konjunkturprogrammen allerdings bislang erfolgreich gegen die Virus-Folgen immunisiert, sagt Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen. "So lange dies der Fall ist, sollte man die 'Party' nicht vorschnell verlassen."

US-Banken läuten Bilanzsaison ein

Unterdessen läuten in der neuen Woche wie üblich die Großbanken Bank of America, Citigroup, JPMorgan & Co die US-Bilanzsaison ein. Bei den Instituten müsse im Schnitt mit einem Gewinneinbruch von 70 Prozent gerechnet werden, prognostiziert Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

"Zum einen sollten sie die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite deutlich ausgeweitet haben. Zum anderen dürfte die Zinsmarge wegen des gesunkenen Zinsniveaus geringer ausgefallen sein." Daneben öffnen auch einige US-Technologiefirmen ihre Bücher. Hierzu gehören der Software-Hersteller Microsoft und die Online-Videothek Netflix.

"Wir rechnen nicht mit einer schnellen Einigung"

Daneben fiebern Investoren dem EU-Gipfel am Freitag und Samstag entgegen. Dort geht es unter anderem um den geplanten 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds zur Abfederung der wirtschaftlichen Coronavirus-Folgen. "Wir rechnen nicht mit einer schnellen Einigung", prognostizieren die Analysten der Investmentbank Mizhuo. Schließlich bewege sich die EU stets langsam. Gleichzeitig sollte eventuellen Negativ-Schlagzeilen keine allzu große Beachtung geschenkt werden. "Wir rechnen mit einer Vereinbarung, die recht nahe am deutsch-französischen Vorschlag liegt."

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Wenig Impulse versprechen sich Börsianer von den anstehenden Notenbank-Sitzungen. Weder bei der Bank von Japan (BoJ) noch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) rechnen sie mit Änderungen an den Leitzinsen. Hinweise auf die US-Geldpolitik erhoffen sich Investoren vom "Beige Book" am Mittwoch, dem Konjunkturbericht der Notenbank Fed.

Bei den Konjunkturdaten richten Anleger ihre Aufmerksamkeit auf die US-Einzelhandelsumsätze am Donnerstag. Wie die übrigen anstehenden Zahlen lieferten sie aber kaum Hinweise, ob die jüngsten Rekord-Neuinfektionen in den USA die Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft gestoppt haben, warnte Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. Der ZEW-Index wird am Dienstag Auskunft über die Stimmung der deutschen Börsenprofis geben.

Quelle: ntv.de, lmw/rts