Wirtschaft

Betrug mit Meme-Coin Anleger verlieren Millionen mit Squid-Game-Währung

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Keine Chance zum Ausstieg: Der Squid-Game-Kurs stürzte innerhalb von Minuten von 2856 Dollar auf nahezu null.

(Foto: picture alliance / NurPhoto)

Kryptoanleger stecken Millionen von Dollar in Währungen, die sich ausschließlich durch Anspielungen auf populäre Phänomene aus den sozialen Netzwerken auszeichnen. Investoren können bei zweifelhaften Währungen innerhalb kürzester Zeit riesige Gewinne machen oder alles verlieren.

Der Boom der Kryptowährung Squid Game dauerte wenige Tage, der Absturz sogar nur Minuten. Schon kurz nach ihrer Einführung vergangene Woche stieg der Wert einer solchen Digital-Münze auf über 100 Dollar. Die enorme Popularität hatten sich die anonymen Entwickler der Währung von der Netflix-Erfolgsserie Squid Game geborgt, nach der sie ihr Projekt benannt hatten - ohne dass es tatsächlich irgendeine Verbindung zu der Serie, ihren Machern oder dem Streamingdienst Netflix gab. Gestern, am Monatsanfang, explodierte der Kurs förmlich und erreichte innerhalb kurzer Zeit einen Höchstwert von 2856 Dollar, um dann wie ein Stein ungebremst innerhalb von fünf Minuten auf weniger als ein Zehntel eines Cents zu fallen.

"Pump-and-Dump"-Aktionen – das heißt, das Anheizen eines Kurses mit der festen Absicht, die betreffende Währung dann zu einem überhöhten Preis zu verkaufen – sind gang und gäbe auf dem unregulierten Kryptomarkt. Die Dimension, die Geschwindigkeit und die kriminelle Energie beim Squid Coin sind allerdings bemerkenswert. Schätzungen zufolge entkamen die Macher mit umgerechnet 2,5 Millionen Dollar in Form anderer Kryptowährungen, deren Spuren sie mithilfe eines speziellen Dienstes verwischten.

Erstaunlich und erschreckend für manche Beobachter ist vor allem die Leichtfertigkeit, mit der Nutzer innerhalb weniger Tage Millionen in eine unbekannte Kryptowährung steckten, hauptsächlich offenbar wegen eines populären Namens. Warnhinweise aus der Kryptoszene, dass unter anderem das "White Paper", in dem die Macher des Squid Coin ihr angebliches Konzept vorstellten, voller Fehler sei, taten dem Hype keinerlei Abbruch.

"Intellektuell beleidigend"

Die Hoffnung der Squid-Game-Investoren war offenbar, mithilfe eines Meme-Tokens, einer auf einem in Internetforen und sozialen Netzwerken populären Themas basierenden Kryptowährung, schnelle Gewinne zu erzielen. Solche Meme-Währungen haben im Vergleich mit anderen Digitalwährungen keinen speziellen – zumindest keinen glaubwürdigen – Nutzwert, sondern dienen allein der Spekulation auf einen Hype.

Die bekanntesten solcher Meme-Coins sind der 2012 als Satireprojekt entwickelte Doge Coin und der neuere Shiba Inu Coin. Beide gehören mit einem Marktwert von 36 Milliarden beziehungsweise 38 Milliarden Dollar inzwischen zu den zehn höchst bewerteten Kryptowährungen. Die Kurse vervielfachten sich zeitweise innerhalb weniger Tage, die Anleger strichen teils gigantische Gewinne ein. Was manche Kryptoexperten als empörend empfinden. Es sei "gewissermaßen intellektuell beleidigend", zu sehen, dass ein Meme-Coin wie Shiba Inu einen höheren Marktwert habe als anspruchsvolle Kryptoprojekte, in denen jahrelange Forschungs- und Entwicklungsarbeit stecke, zitiert Bloomberg Henri Arslanian, Kryptoexperte und Partner des Beratungsunternehmens PwC.

Doge und Shiba Inu sind allerdings nur die Spitze des Meme-Coin-Eisberges. Allein auf Grundlage des den beiden Kryptowährungen zugrunde liegenden Hunde-Memes wurden inzwischen Dutzende neue Coins auf den Markt gebracht. Elon Musk heizte den Hype nicht nur durch Äußerungen und Tweets an, sondern auch dadurch, dass er sich einen japanischen Shiba-Inu-Hund als Haustier anschaffte. Nach dem Floki getauften Hund wurden inzwischen wiederum mehrere, teils zweifelhafte neue Kryptowährungen benannt, von denen manche schon eine Milliardenbewertung erreicht haben.

Quelle: ntv.de, mbo

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