Wirtschaft

Höchste Quote seit neun Jahren Arbeitslosigkeit in der Türkei steigt rapide

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Die lange boomende Baubranche der Türkei schrumpfte zuletzt deutlich.

(Foto: picture alliance / Tolga Bozoglu)

Die wirtschaftliche Lage in der Türkei spitzt sich zu. Die Arbeitslosigkeit steigt deutlich an und liegt auf dem höchsten Niveau seit 2010. Innerhalb eines Jahres sind eine Million Menschen mehr ohne Job. Für die Regierung kommt diese Entwicklung zur Unzeit.

Die Arbeitslosenquote in der Türkei ist innerhalb eines Jahres um 3,1 Prozentpunkte gestiegen. Den jüngsten Zahlen aus dem Statistikamt in Ankara zufolge lag sie Ende Dezember 2018 bei 13,5 Prozent – das ist der höchste Stand seit neun Jahren. Damit waren zuletzt nach offiziellen Angaben 4,3 Millionen Türken ohne Arbeit - rund eine Million mehr als noch im Dezember 2017, wie die Zeitung "Hürriyet" berichtete.

Die hohe Arbeitslosigkeit ist eine Facette der schlechten wirtschaftlichen Lage im Land. Die Jahresteuerung bleibt hoch - im Februar lag sie bei fast 20 Prozent. Im Oktober lag die Teuerung sogar auf einem 15-Jahres-Hoch von gut 25 Prozent. Die hohe Inflation dürfte auch der Grund sein, dass sich die privaten Haushalte zuletzt merklich zurückhielten – die Ausgaben gingen um rund neun Prozent zurück.

Auch wegen des schwächelnden Binnenkonsums war die türkische Wirtschaft zum Jahresende 2018 in die Rezession gerutscht. Wie das Statistikamt diese Woche in Ankara mitteilte, ging die Wirtschaftsleistung (BIP) im Schlussquartal um 2,4 Prozent zum Vorquartal zurück. Vor allem die lange boomende Baubranche ließ zuletzt Federn: Sie schrumpfte um 8,7 Prozent, während es in der Industrie um mehr als sechs Prozent nach unten ging. Im vorigen Jahr litt die Türkei zudem unter dem Absturz der heimischen Währung um 30 Prozent.

Abschwung kommt zu Unzeit

Der Rückgang im Schlussquartal folgt auf ein Minus im dritten Quartal von revidiert 1,6 (zunächst 1,1) Prozent. Ökonomen sprechen von Rezession, wenn eine Volkswirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft. Im Gesamtjahr 2018 reichte es zwar noch zu einem Wachstum von 2,6 Prozent - dies war aber das schwächste Plus seit neun Jahren. 2017 hatte die Konjunktur in dem Schwellenland noch mehr als sieben Prozent zugelegt.

Für die politische Führung kommt der Abschwung zur Unzeit, weil Ende März in der Türkei Kommunalwahlen stattfinden. Finanzminister Berat Albayrak hatte jedoch versucht, Optimismus zu versprühen. Die Wirtschaft habe das Schlimmste nun hinter sich, erklärte er auf Twitter.  

Quelle: n-tv.de, kst/rts/dpa

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