Wirtschaft

Schlechte Nachrichten vor Wahl Türkei rutscht in Rezession

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Die türkische Wirtschaft erfährt derzeit viel Gegenwind.

(Foto: REUTERS)

Noch vor gar nicht langer Zeit gehörte die Türkei zu den Schwellenländern mit hohen Wachstumsraten. Doch dies scheint vorbei. Im vergangenen Jahr rutschte das Land in die Rezession. Die Bevölkerung stöhnt zudem unter einer horrenden Inflation.

Schlechte Nachrichten für die türkische Regierung vor den Kommunalwahlen Ende März: Die Wirtschaft des Landes ist Ende vergangenen Jahres so stark geschrumpft wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt sank zwischen Oktober und Dezember binnen Jahresfrist um drei Prozent, wie das nationale Statistikamt mitteilte. Es war das zweite Quartal in Folge, dass die Wirtschaft schrumpfte. Damit ist die Türkei nun erstmals seit 2009 in die Rezession gerutscht.

Im Gesamtjahr 2018 reichte es zwar noch zu einem Wachstum von 2,6 Prozent - dies war aber das schwächste Plus seit neun Jahren. 2017 hatte die Konjunktur in dem Schwellenland trotz der politischen Turbulenzen nach dem Putschversuch von Juli 2016 noch 7,4 Prozent erreicht.

Von einer Rezession sprechen Fachleute, wenn die Wirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft. Im Schlussquartal ließ vor allem die lange boomende Baubranche Federn: Sie schrumpfte um 8,7 Prozent, während es in der Industrie um mehr als sechs Prozent nach unten ging. Auch die privaten Haushalte hielten sich merklich zurück und signalisierten mit einem Ausgabenrückgang von rund neun Prozent ein Schwächeln des Binnenkonsums. Grund dafür dürfte auch die hohe Inflation von knapp unter 20 Prozent sein. Im Oktober lag die Teuerung sogar auf einem 15-Jahres-Hoch von gut 25 Prozent. Im vergangenen Sommer war die türkische Währung inmitten einer diplomatischen Krise mit den USA stark eingebrochen.

Die Lira gab nach Bekanntgabe der Wachstumszahlen nach, erholte sich dann aber wieder und notierte gegen Mittag bei 5,43 zum Dollar. Wirtschaftsminister Berat Albayrak machte "spekulative Angriffe" für die Schwäche der Wirtschaft verantwortlich. Zugleich aber versprühte er Optimismus. Die Wirtschaft habe des Schlimmste nun hinter sich, twitterte er. Das Wachstum für 2019 stehe im Einklang mit der Regierungsprognose von 2,3 Prozent.

Für die islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) von Präsident Recep Tayyip Erdogan kommen die Wachstumszahlen ungelegen vor den Kommunalwahlen am 31. März. Die Türken leiden seit Monaten unter der hohen Inflation. Um der Preissteigerung bei Lebensmitteln zu begegnen, hat die Regierung städtische Verkaufsstände für verbilligtes Gemüse eingerichtet.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/AFP

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