Wirtschaft

S&P stellt Zahlungsausfall fest Argentinien ist bankrott

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"Das Volk sagt: Schluss!" Bei der Vorwahl Anfang August und auf der Straße machen die Argentinier deutlich, wie unzufrieden sie mit der amtierenden Regierung sind.

(Foto: imago images / Agencia EFE)

Seit Wochen stemmt sich Argentinien mit allen Mitteln gegen die Staatspleite. Nach Angaben der Ratingagentur S&P jedoch erfolglos: Da die Regierung einen Teil ihrer kurzfristigen Schulden nicht mehr bediene, sei der befürchtete Bankrott eingetreten.

Für die Ratingagentur S&P ist sie nun da: die seit Wochen befürchtete Staatspleite Argentiniens. Da sie gescheitert sei, neue Schulden am Finanzmarkt aufzunehmen, habe die argentinische Regierung die Laufzeit aller ihrer bestehenden kurzfristigen Schuldpapiere verlängert. "Das stellt nach unseren Kriterien einen Zahlungsausfall dar", heißt es in einem Statement der Rating-Agentur. Zahlungsausfall oder auf Englisch "Default" bedeutet nichts anderes als Staatsbankrott.

Die finanzielle Lage Argentiniens wird immer verzweifelter: Die Wirtschaft steckt in einer tiefen Rezession, die Landeswährung Peso verliert massiv an Wert, die Inflation nimmt bedrohliche Ausmaße an. Die ohnehin geringe Bereitschaft von Investoren, der argentinischen Regierung in dieser Situation noch frisches Geld zu leihen, ist zuletzt auf nahezu null gesunken. Denn in einer Vorwahl am 11. August zeigte sich, dass die Argentinier den wirtschaftsfreundlichen Staatschef Macri bei der anstehenden Präsidentschaftswahl wohl aus dem Amt jagen und durch den Linken Alberto Fernández im Tandem mit der als Investorenschreck geltenden Ex-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ersetzen werden.

Seit dieser Vorwahl stemmt sich Argentinien mit aller Kraft, aber letztlich vergeblich gegen den Staatsbankrott. Die Zentralbank gibt teilweise Hunderte Millionen Dollar am Tag aus, um den Wert des Peso zu stabilisieren. Die Regierung bettelt beim Internationalen Währungsfonds (IWF), versprochene Milliardenhilfen vorzuziehen und gleichzeitig Rückzahlungsfristen zu verlängern. Doch während die Bürokraten des Fonds mit einer Antwort auf sich warten lassen, schafft der Finanzmarkt Fakten. Der letzte Versuch der Regierung, zur Rückzahlung fälliger Schulden neue kurzfristige Schuldpapiere zu verkaufen - in normalen Zeiten ein Routinevorgang - schlug fehl. Kaum ein Investor wollte die Papiere. Das Land, das mit der Pleite von 2002 den unrühmlichen Rekord des mit rund 100 Milliarden Dollar größten staatlichen Zahlungsausfalls der Geschichte hält, schlittert damit in den neunten Bankrott seiner Geschichte. 

Verzweiflungstat

Daraufhin verkündete Macris Finanzminister einseitig - das heißt, ohne mit den Gläubigern gesprochen zu haben - kurzfristig fällige Schulden im Wert von rund sieben Milliarden Dollar erst später zurückzuzahlen. Zudem will er über eine "freiwillige" Umstrukturierung, also Schuldenerleichterungen, für weitere 50 Milliarden Dollar Schulden bei privaten Investoren verhandeln. Und auch der IWF soll die Rückzahlung von 44 Milliarden Dollar strecken, mit denen Argentinien dort in der Kreide steht.

Die Regierung versuchte, den Zahlungsausfall als stabilisierende Maßnahme zu verkaufen, mit der sie sich und dem Markt Zeit und Luft verschafft. Investoren werteten die Aktion jedoch eher als Verzweiflungstat. Der Preis, den Anleger bereit waren, für argentinische Staatsanleihen zu zahlen, fiel auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Der Markt rechnet fest damit, dass der Zahlungsaufschub bei den kurzfristigen Schuldpapieren erst der Anfang ist. Trotz des nun einseitig verkündeten Zahlungsaufschubs wird Argentinien spätestens unter der neuen Regierung im kommenden Jahr wieder Geld am Finanzmarkt aufnehmen müssen oder noch tiefer in die Krise rutschen.

Eine baldige Lösung der Krise, indem sich die internationalen Gläubiger mit Argentinien auf Erleichterungen wie einen Zahlungsaufschub einigen, ist kaum zu erwarten. Denn Macri und seine Regierung dürften schon bald Geschichte sein. "Jede Einigung könnte von der möglichen Nachfolge-Regierung rückgängig gemacht werden", warnen die Analysten der Citigroup.

Quelle: n-tv.de

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