Wirtschaft

Begeisterung bei Investoren Athen will wieder Staatsanleihen ausgeben

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Risikoaufschlag: Während als sicher geltende Anleihen wie die deutschen praktisch keine Zinsen bieten, bekommen Anleger in Athen immerhin 4,5 Prozent oder mehr.

(Foto: picture alliance / dpa)

Einem Bericht zufolge will sich die griechische Regierung erstmals seit Jahren wieder mit Anleihen von privaten Investoren Geld leihen. Banker prophezeien eine riesige Nachfrage - obwohl der IWF das Land weiter für hoffnungslos überschuldet hält.

Griechenland plant die Ausgabe neuer Staatsanleihen. Das berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf mit der Sache befasste Bankmitarbeiter. Demnach will die Athener Regierung noch diese oder nächste Woche eine fünfjährige Staatsanleihe auf den Markt bringen.

Seit dem Beginn der europäischen Schuldenkrise 2010 hat Athen nur zweimal Staatsanleihen auf dem freien Kapitalmarkt ausgegeben. Trotz zahlreicher Reformen und obwohl die Regierung inzwischen einen sogenannten Primärüberschuss - das heißt vor Schuldendienst - erzielt, ist Griechenland zur Finanzierung seines Haushalts von internationaler Hilfe abhängig.

Das dritte und bislang letzte Rettungspaket für Griechenland im Wert von 86 Milliarden Euro war 2015 verabschiedet worden. Zuletzt verhinderte eine 7,7 Milliarden Euro schwere Tranche aus dem Paket die im Juli drohende Zahlungsunfähigkeit der Regierung.

IWF: Schulden nicht tragfähig

In seiner aktuellen Einschätzung der Finanzlage Griechenlands geht der Internationale Währungsfonds davon aus, dass das Land überschuldet sei und sich auf einem "explosiven" Weg befinde. Der IWF forderte von den anderen internationalen Gläubigern deswegen wiederholt massive Schuldenerleichterungen.

Private Investoren schreckt das alles offenbar nicht ab, der von der linken Syriza-Partei geführten Regierung ihr Geld anzuvertrauen. Aus Londoner Bankkreisen berichtet die "FT" von einer großen Nachfrage nach den neuen Schuldtiteln. "Es gibt viel positives Momentum", zitiert die Zeitung einen Banker. "Der Markt steht weit offen für Griechenland", sagt ein anderer. Angesichts niedriger oder sogar negativer Rendite bei vielen anderen Staatsanleihen, seien Investoren auf der Suche nach gewinnträchtigen Alternativen, heißt es.

Details der neuen Fünfjahres-Anleihen sind noch unklar. Laut "FT" rechnen Bankinsider mit einer Verzinsung von 4,5 Prozent oder mehr. Die Rendite für zehnjährige griechische Anleihen ist jüngst mit 5,1 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Schuldenkrise gefallen. Kurzfristige Geldmarktpapiere wurden dem griechischen Finanzministerium zuletzt für nur 2,3 Prozent Zinsen aus der Hand gerissen.

Quelle: ntv.de, mbo

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