Wirtschaft

Riskanter Zusammenschluss Aufseher fordern Jobabbau bei Bankenfusion

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Gefährliche Großbaustelle: Warnbaken vor der Deutschen Bank.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zehntausende Arbeitsplätze könnten durch einen Zusammenschluss der Deutschen Bank und der Commerzbank wegfallen. Müssen sie sogar, stellen die Europäischen Bankenaufseher klar. Auch die Chefetage ist davon nicht ausgenommen.

Die zuständigen Europäischen Bankenaufseher sehen erhebliche Risiken bei einer möglichen Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank und wollen daher besonders strenge Maßstäbe für eine Genehmigung anlegen. Einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge fordern die Aufseher vor einem Zusammenschluss vor allem detaillierte Pläne für umfangreiche Kostensenkungen, das heißt vor allem für einen weitgehenden Personalabbau. "Es wird nicht reichen, der Aufsicht Fusionspläne einzureichen, in denen steht, man will die Kosten um eine bestimmte Summe senken", zitiert die Zeitung einen Insider.

In Aufsichtskreisen wird eine Fusion, die die Chefs der beiden größten deutschen Privatbanken seit einigen Wochen sondieren, offenbar kritisch gesehen. Es ist unter anderem von einem hohen "Exekutionsrisiko" die Rede, also der Gefahr, dass eine beschlossene Zusammenführung der beiden Institute dann doch nicht vollständig umgesetzt würde. Als Beispiel für das Risiko einer unvollendeten Fusion gilt das jahrelange Hin und Her um die Postbank, die 2008 von der Deutschen Bank übernommen worden war. Auch gibt es laut "Handelsblatt" unter den Aufsehern Zweifel daran, dass die fusionierte Großbank ein überzeugendes Geschäftsmodell haben würde.

Ob eine Fusion gelingen kann oder einen neuen instabilen Riesen hevorbringt, der das Finanzsystem ins Wanken bringen könnten, hängt den Aufsehen zufolge vor allem davon ab, ob es gelingt, die theoretisch möglichen Einsparungen eines Zusammenschlusses auch praktisch umzusetzen. "Da muss auch konkret hinterlegt sein, wie das funktionieren soll", heißt es in den Aufseherkreisen zu den Plänen. Es müsse schon vor der Fusion genau dargelegt werden, wie viele Stellen wann wegfallen sollen und wie hoch die Kosten für Abfindungen ausfielen.

Die Forderungen der Aufseher könnten die Fusionpläne erheblich erschweren. Denn Gewerkschaften mobilisieren schon massiv gegen einen befürchteten Abbau von mindestens 30.000 der insgesamt derzeit 126.000 Arbeitsplätze bei Deutscher und Commerzbank. Ein Großteil der Stellenstreichungen dürfte durch Schließungen von Filialen erreicht werden. Die Aufseher haben aber auch die Chefetage im Visier. Sie wollen besonders darauf achten, dass der Vorstand der möglichen neuen Großbank nicht durch die Fusion aufgebläht würde. Der Personalabbau dürfe am Führungsgremium nicht spurlos vorübergehen.

Berichten zufolge hatte es bei den Gesprächen zwischen den beiden Banken zuletzt Fortschritte geben. Demzufolge könnten sie im Laufe dieser Woche bekanntgeben, ob die bisherigen Sondierungstreffen intensiviert werden.

Quelle: n-tv.de, mbo