Wirtschaft

"Alarmsignal" bei InvestitionenAusländisches Geld macht Bogen um Deutschland

21.05.2026, 07:38 Uhr
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"Wir werden abgehängt, andere europäische Standorte entwickeln sich deutlich besser", sagt EY-Chef Henrik Ahlers. (Foto: picture alliance/dpa)

Der Standort Deutschland verliert an Attraktivität: Unternehmen aus dem Ausland kündigen hierzulande nur noch halb so viele Investitionsprojekte an wie noch vor acht Jahren. Besonders in zwei Punkten hängen andere europäische Länder die Bundesrepublik ab.

Der Abwärtstrend bei ausländischen Direktinvestitionen hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. 2025 ging die Zahl der Investitionsprojekte, die ausländische Unternehmen in Deutschland ankündigten, um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 548 Projekte zurück, wie das Beratungsunternehmen EY mitteilte. Dies war demnach der bereits achte Rückgang in Folge - und der niedrigste Stand seit 2009.

EY sieht darin ein "Alarmsignal für den Standort Deutschland". Denn im Langzeitvergleich habe Deutschland "deutlich stärker an Attraktivität verloren als die anderen großen europäischen Standorte", erklärte EY-Chef Henrik Ahlers. "Während Frankreich und Großbritannien zumindest phasenweise Aufwärtstrends zeigten, kennt der Standort Deutschland seit Jahren nur eine Richtung: nach unten."

Seit dem Rekordjahr 2017 sei die Zahl der Investitionsprojekte in Deutschland "kontinuierlich gesunken - insgesamt um 51 Prozent", führte Ahlers aus. Kein anderer größerer europäischer Standort habe einen derartig starken Rückgang verzeichnet. "Wir werden abgehängt, andere europäische Standorte entwickeln sich deutlich besser."

Gründe dafür seien, dass andere europäische Länder in dieser Zeit "ihre Hausaufgaben gemacht" und etwa die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung vorangetrieben und Steuersysteme vereinfacht hätten. "In Deutschland bremsen die hohe Steuerbelastung, hohe Arbeitskosten, die teure Energie und gleichzeitig eine lähmende Bürokratie das Investitionsgeschehen", kritisierte Ahlers.

Auch deutsche Unternehmen investieren weniger

Auch die Zahl der Investitionsprojekte deutscher Unternehmen im europäischen Ausland sank der Untersuchung zufolge im vergangenen Jahr massiv. Sie ging demnach um 24 Prozent auf 484 zurück - der stärkste Einbruch seit Beginn der Erhebung im Jahr 2006. Europaweit wurden im vergangenen Jahr laut EY insgesamt 5026 Neuansiedlungs- und Erweiterungsprojekte ausländischer Investoren angekündigt - ein Minus von sieben Prozent gegenüber 2024 und der niedrigste Wert seit mehr als einem Jahrzehnt.

In der Rangliste der attraktivsten Investitionsstandorte in Europa liegt demnach Frankreich weiterhin vor Großbritannien und Deutschland. Allerdings verzeichnete Frankreich 2025 unter den Top-Standorten mit minus 17 Prozent den stärksten Rückgang. In Großbritannien sank die Zahl der Investitionsprojekte um 14 Prozent. Hinter Deutschland liegen die Türkei und Spanien auf den Rängen vier und fünf - mit einem Plus von sieben und im Fall von Spanien gar von 20 Prozent.

Quelle: ntv.de, nbr/AFP

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