Wirtschaft
In Deutschland sollen im kommenden Jahr etwa 5,2 Millionen Pkw gebaut werden.
In Deutschland sollen im kommenden Jahr etwa 5,2 Millionen Pkw gebaut werden.(Foto: picture alliance/dpa)
Mittwoch, 05. Dezember 2018

Deutscher Markt stagniert: Autobauer blicken auf trübes Gesamtjahr

Der Wind auf dem Weltmarkt weht rauer. Zugleich leistet sich die deutsche Autobranche auf dem Heimatmarkt beim neuen Abgasstandard peinliche Pannen. Dennoch wollen die deutschen Hersteller im kommenden Jahr so viele Autos bauen wie nie zuvor.

Der deutsche Automarkt blickt auf ein allenfalls durchschnittliches Jahr. Im Inland fanden sich weniger Käufer. Die Produktion hierzulande fiel geringer aus. Der Export sank. Der Branchenverband VDA verweist unter anderem auf den neuen Abgastest WLTP - und damit überwiegend hausgemachte Probleme. Doch auch im kommenden Jahr wird die Branchenleistung in Teilen hinter dem Niveau von 2017 bleiben. Glanzpunkt wird erneut die Auslandsproduktion sein - trotz wahrscheinlich schwächeren Wachstums im kommenden Jahr.

Insgesamt gingen in diesem Jahr in Deutschland aller Voraussicht nach 3,4 Millionen neue Pkw an die Kunden und damit ein Prozent weniger als im Vorjahr, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) mitteilte. "Das ist angesichts der Verwerfungen, die die Umstellung auf das neue Abgasmessverfahren WLTP mit sich bringt, ein außerordentlich gutes Ergebnis", sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes. Für das kommende Jahr erwartet der Verband erneut einen Absatz von knapp 3,4 Millionen.

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Nach Berechnungen des Verbandes sind in diesem Jahr mit 5,1 Millionen Pkw fast ein Zehntel weniger produziert worden als im Vorjahr - "ausgelöst vor allem durch die WLTP-bedingte vorübergehende Delle", erklärte Mattes. Für 2019 erwartete Mattes eine Steigerung der Inlandsfertigung um zwei Prozent. Das wären dann aber immer noch weniger als 2017. Die Auslandsproduktion dürfte 2019 um drei Prozent auf 11,7 Millionen Einheiten steigen, nach einem Zuwachs um fünf Prozent auf 11,4 Millionen in diesem Jahr.

Insgesamt bleibe damit die Pkw-Weltproduktion der deutschen Konzernmarken 2018 mit 16,5 Millionen Neuwagen stabil. "Jedoch hängt viel davon ab, wie sich die internationale Handelspolitik weiterentwickelt", sagte Mattes. "Wenn es gut läuft, könnten wir 2019 erstmals die 17-Millionen-Marke erreichen." Der Pkw-Export werde 2018 um acht Prozent unter Vorjahreswert liegen. Für 2019 rechnete der VDA mit einem Zuwachs um zwei Prozent. Allerdings stagniere der Weltmarkt. Wie im Vorjahr werde er 2018 rund 85 Millionen Fahrzeuge umfassen, im nächsten Jahr dann um etwa ein Prozent auf 85,9 Millionen zulegen.

Kosten US-Zusagen deutsche Jobs?

Die Frage, ob die Investitionszusagen deutscher Autohersteller bei ihrem Treffen mit US-Präsident Donald Trump vom Dienstag zu Lasten des Standortes Deutschlands gehen würden, ließ Mattes offen. Diese Frage könne er "nicht beantworten, denn das sind Unternehmensfragen". Er wollte dies "auch nicht spekulativ beantworten, denn das war nicht Gegenstand der gestrigen Gespräche".

Teilnehmer des Gesprächs hätten die Atmosphäre unisono als gut beschrieben, hob Mattes hervor und nannte dies "ein gutes Zeichen". Jedoch sei es darum gegangen, dass die Unternehmen mit den Verantwortlichen über ihre Pläne für den US-Markt gesprochen hätten und nicht über Handelsfragen. Die für die Handelsverhandlungen zuständige EU-Kommission solle mit den USA weiter über ein Industriegüterabkommen verhandeln, das die derzeit ausgeschlossene Autoindustrie einbeziehe. Es solle dabei nicht nur um Zölle, sondern auch um Regulierung und Standardisierung gehen.

CO2-Ziele zu hoch

"Die deutsche Automobilindustrie hat ein prall gefülltes Lastenheft", sagte Mattes. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Branche die Aufgaben wie ein Vorantreiben der Elektromobilität und der Digitalisierung gut meistern werde. Kritisch zeigte sich der VDA-Präsident aber mit Blick auf die nun diskutierten CO2-Zielen für Pkw in Europa bis 2030. "35 oder gar 40 Prozent sind unrealistisch hoch", erklärte er. "Da wird der Bogen überspannt."

Der VDA-Präsident machte sich unter Verweis auf die inzwischen bestehenden Technologien nach der Euro-6d-temp-Norm dafür stark, dass wieder mehr Dieselautos auf deutschen Straßen fahren sollen. "Wir werben dafür, dass der Dieselanteil wieder steigt", betonte Mattes. Man habe die modernste Technologie, und moderne Dieselautos würden helfen, die CO2-Belastung zu senken. Ungeachtet dessen sei die Zukunft des Autos "vor allem elektrisch".

Quelle: n-tv.de