Wirtschaft

Stresstest für US-Autobauer Trump macht bei Atemgeräten Druck

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Trump macht Druck. Nur minderwertige Produkte braucht in der Corona-Krise niemand.

(Foto: AP)

In US-Kliniken mangelt es - wie überall auf der Welt- an Beatmungsgeräten. US-Präsident Trump macht in seiner eigenen Manier Dampf und verspricht 100.000 Geräte in 100 Tagen. Die Autobauer, die er fest als Produzenten einplant, stehen vor einem riesigen Problem.

Die US-Autobauer haben sich in der Corona-Krise in eine gefährliche Zwickmühle manövriert: Auf den Aufruf der Regierung, ihre Fabriken auf Beatmungsgeräte umzurüsten, haben sie schnell Bereitschaft signalisiert. Wie sich herausstellt, ist das technisch für sie aber nicht ganz so einfach, wie es gewünscht wird. US-Präsident Donald Trump will davon allerdings nichts wissen.

Erst am Freitag versprach Trump wieder vollmundig, innerhalb der nächsten 100 Tage zusätzlich 100.000 Geräte für die notleidenden US-Kliniken zu beschaffen. Die Geräte werden dringend gebraucht, um an der Lungenkrankheit Covid-19 leidende Patienten zu versorgen. Trumps Plan: Sie sollen nun entweder im großen Stil eingekauft oder aber von derzeit nicht ausgelasteten branchenfremden Firmen gebaut werden.

Ins Auge gefasst hat Trump dabei vor allem die Autoindustrie. Weil die Bänder ruhen, könnten die Hersteller in ihren Fabriken ja auch etwas anderes produzieren, so die Überlegung. Einziges Problem: So einfach ist das bei komplexen medizinischen Geräten nicht. Inwieweit die Produktion also auf die Schnelle in dem Maße ausgeweitet werden kann, wie er in Aussicht stellt, ist ungewiss.

Die großen US-Autobauer General Motors, Ford, Tesla hatten sich anfangs mehr oder weniger freiwillig bereit erklärt, zu prüfen, ob sie auch Beatmungsgeräte produzieren könnten. Fords Kommunikationschef Mark Truby ließ in einer Pressemitteilung die besten Absichten erkennen: "Als größter amerikanischer Fahrzeughersteller und Top-Arbeitgeber im Bereich Automotive ist Ford bereit, der Politik auf jede erdenkliche Weise zu helfen, einschließlich der Möglichkeit, Beatmungsmaschinen und andere Geräte zu produzieren." Aber von der Absicht bis zur Umsetzung, kann es ein langer Weg sein. Selbst Tesla-Chef Elon Musk der vorgeprescht war, ist sehr schnell kleinlaut geworden.

Vor allem GM hat sich deshalb nun viel Kritik zugezogen. Trump zückte eigens ein für Kriegszeiten gedachtes Gesetz, um dem Konzern Dampf zu machen. GM habe Zeit verschwendet und sein Versprechen, für das Land 40.000 Geräte zu produzieren, nicht erfüllt, beschuldigt Trump das Unternehmen. Der Konzern beteuert derweil, auf Hochtouren an Lösungen zu arbeiten, um dem Land in der Coronavirus-Krise zu helfen. Am Freitag teilte das Unternehmen mit, bald für Ventec Life Systems Beatmungsgeräte zu bauen, die ab nächstem Monat ausgeliefert werden sollen.

"Fällt das Gerät aus, ist der Patient tot"

Experten sind alarmiert. Die Zwangsverpflichtung der Konzerne birgt ihrer Ansicht nach große Gefahren. Eines der Probleme, auf die sie hinweisen, sind die hohen Anforderungen an die Sicherheit von Medizintechnik. Auf einer Produktionslinie, die Autos herstellt, kann ich nicht einfach Beatmungsgeräte herstellen", sagte Jean Haeffs, Geschäftsführer der Fachgesellschaft Produktion und Logistik beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI)."

Auch Niklas Kuczaty, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik beim Maschinenbauverband VDMA, hält eine komplexeProdukten wie die eines Beatmungsgeräts "für nicht realistisch - zumindest nicht in den nächsten Wochen und Monaten". Wenn das Beatmungsgerat "ausfällt, ist der Patient tot", warnte er.

Möglichkeiten, wie branchenfremde Betriebe helfen können, sehen Experten nur bei weniger komplexen Produkten, wie beispielsweise chirurgischen Mundschutzmasken. Genau damit will GM nun auch beginnen. Das, was das Land an Beatmungsgeräten "Made in USA" nicht selbst benötigt, hat Trump großzügig Großbritannien und Italien in Aussicht gestellt, die von der Krise mit am schwersten betroffen sind. Doch minderwertige Produkte sind das, was die Länder in ihrer prekären Lage am wenigsten brauchen.

Quelle: ntv.de, ddi