Wirtschaft

Glasgow "reicht nicht aus" BDI: "Der große Wurf ist nicht gelungen"

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Auch wenn der Geist des Wandels da ist, Klimaschutz bleibt ein großer Kraftakt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die deutsche Industrie ist sich einig: Nach der Weltklimakonferenz in Glasgow bedarf es noch deutlich mehr Anstrengungen der Staatengemeinschaft für den Klimaschutz. Der Bundesverband der Deutschen Industrie beklagt zu viele Partikularinteressen. Lob gibt es für die Annäherung von USA und China.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zeigt sich unzufrieden mit den Ergebnissen des Weltklimagipfels. "Die Industrie bedauert, dass auf der Weltklimakonferenz in Glasgow der dringend notwendige große Wurf für den Klimaschutz nicht gelungen ist", erklärte BDI-Präsident Siegfried Russwurm.

Im Kampf gegen die weiter fortschreitende Erderwärmung seien stärkere internationale Kooperation und verbindliche Klimaschutzziele praktisch aller Staaten unverzichtbar. "Was in Glasgow erreicht wurde, reicht dafür nicht aus", betonte Russwurm.

Die Differenzen zwischen den Staaten seien weiterhin sehr groß und würden es auf absehbare Zeit auch bleiben. "Es ist gefährlich und schadet dem Klima, wenn die Unterschiede im Ehrgeiz für Klimaschutz bestehen oder gar zunehmen", kritisierte der BDI-Chef. "Dies verlagert die Emissionen in Länder mit weniger strengen Klimaschutzmaßnahmen und belastet einseitig Unternehmen, die, etwa in der EU, bereits große finanzielle Belastungen stemmen müssen."

Verhaltender Optimismus

Ein kleiner Fortschritt sei, dass sich sehr viel mehr Staaten für Marktmechanismen beim Klimaschutz ausgesprochen hätten als bisher. Nun müsse der Boden dafür bereitet werden, dass kosteneffiziente Instrumente wie der internationale Emissionshandel weltweit einen Beitrag zur CO2-Minderung leisten.

Positiv zu bewerten sei die angekündigte Wiederaufnahme der Zusammenarbeit zwischen den USA und China im Klimaschutz. Auch die zunehmende Anzahl von Klimaschutzinitiativen staatlicher und nicht-staatlicher Akteure würden Anlass zu Optimismus geben.

"Gute Beispiele sind die Initiativen zum Waldschutz, zur Methanminderung und zum Kohleausstieg in Südafrika", so Russwurm. Fraglich bleibe, ob die Industrieländer ihre vor mehr als zehn Jahren gemachten Finanzzusagen an Entwicklungs- und Schwellenländer einhalten werden. Letztere sollen beginnend mit dem Jahr 2020 mit 100 Milliarden Dollar jährlich beim Klimaschutz unterstützt werden.

VDMA: "Unterm Strich positiv"

"Positiv verhalten, trotz des abgeschwächten Kompromisses beim Handel mit Emissionsminderungen und der verwässerten Formulierung für den Kohleausstieg", beurteilte der Automobilverband VDMA das Ergebnis. Länder mit bisher zu geringen Ambitionen müssten 2022 ihre Anstrengungen für die jetzige Dekade erhöhen, sonst sei das in den Fokus genommene 1,5 Grad-Ziel nicht zu erreichen.

Lob gab es vom Verband für die Übereinkunft zur Minderung der Methanemissionen um 30 Prozent bis 2030. "Hier wird an einem der größten Klima-Probleme recht verbindlich angesetzt und ein großer Schritt für den Klimaschutz gemacht." Dass die EU und die USA einen Prozess gestartet hätten für grünen Stahl und Aluminium, um Standards zu harmonisieren und freien Handel zu ermöglichen, sei wichtig.

Als "wichtige konstruktive Meilensteine" bezeichnete der VDMA das gemeinsame Papier der USA und China sowie "die höhere und verbindlichere finanzielle Unterstützung der Industriestaaten für die vom Klimawandel besonders hart getroffenen Entwicklungs- und Schwellenländer". Hier müssten die Industrieländer "liefern". Die bisherige Bilanz sei "beschämend".

Kritisch sieht der Verband dagegen die technisch engstirnige Vereinbarung zum "Verbrennerausstieg" bei Pkws. Statt "Zero-Emission" vorzugeben, wäre "Carbon-neutral" besser gewesen. Denn die Klimabilanz ist entscheidend, nicht der Auspuff.

Quelle: ntv.de, ddi/rts

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