Wirtschaft
Ein Software-Update wird im Rahmen der Rückrufaktion zum Abgasskandal auf einen VW Golf geladen.
Ein Software-Update wird im Rahmen der Rückrufaktion zum Abgasskandal auf einen VW Golf geladen.(Foto: dpa)
Montag, 11. Juni 2018

Umgang mit Abgasskandal: BDI-Präsident kritisiert Automanager scharf

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie findet angesichts der Dieselkrise klare Worte. Die Adressaten sind die Führungsspitzen der Autohersteller, von denen Dieter Kempf fordert, Verantwortung für gemachte Fehler zu übernehmen.

BDI-Chef Dieter Kempf hat den Umgang der Automanager mit dem Diesel-Abgasskandal kritisiert. "Wer Fehler gemacht hat, sollte sie benennen, sich entschuldigen und sie abstellen, also Verantwortung übernehmen, um endlich Vertrauen zurückzugewinnen", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin.

"Ich will nicht verhehlen, dass ich mir nach dem Bekanntwerden der Gesetzesverstöße mehr als einmal ein anderes Verhalten gewünscht hätte", erklärte er. Es sei ein enormer Image- und Vertrauensschaden entstanden für die Wirtschaft insgesamt. Die Hersteller müssten alles tun, um Vertrauen wiederzugewinnen.

Laut "Bild am Sonntag" hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) inzwischen fünf "unzulässige Abschaltfunktionen" bei Modellen von Daimler entdeckt. Die Behörde gehe dem Verdacht nach, dass diese Software-Funktionen in der neueren Diesel-Flotte mit der Abgasnorm Euro-6 zum Einsatz kommen. Fast eine Million Fahrzeuge sollen betroffen seien.

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, forderte reinen Tisch in der Diesel-Affäre. "Ich verstehe, dass der Bundesverkehrsminister Klarheit will", sagte Mattes der "Süddeutschen Zeitung". Die Branche müsse "Fehler der Vergangenheit aufarbeiten", sagte Mattes.

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"Der Umgang mit Fehlern, auch betrügerischer Art, hat viele in der Politik und auch viele Verbraucher zurecht ärgerlich gemacht - übrigens auch viele in den Unternehmen", sagte Kempf. "Vielleicht hätten wir in der Industrie dann die Chance bekommen, heute deutlich sachlicher über Mobilität zu diskutieren. Zum Beispiel, welche Zukunft der für die CO2-Bilanz wichtige Diesel hat, wie stark Deutschland auf Elektromobilität setzt oder wie technologieoffen wir sein müssen."

Image der Autobranche schwer belastet

Kempf betonte, zum Thema Vertrauensrückgewinnung gehörten auch "schnellstmögliche" Software-Updates. "Ich kann aber die Machbarkeit nicht für jedes Modell beurteilen." Die Autobranche hatte für bessere Luft für Millionen von Autos bis Ende 2018 Software-Updates zugesagt, um den Schadstoff-Ausstoß zu senken. Allerdings wackelt der Zeitplan für diese Umrüstungen älterer Dieselautos. VDA-Chef Mattes ließ offen, ob die von der Branche angebotenen freiwilligen Software-Updates bis Jahresende abgeschlossen sind. "Die Hersteller arbeiten mit Hochdruck daran", sagte er der SZ.

Das Image der Autobranche ist wegen Unregelmäßigkeiten bei Abgaswerten schwer belastet. Nach dem VW-Skandal, der im Herbst 2015 ans Licht kam, waren auch andere Hersteller ins Visier der Behörden geraten.

Der BDI-Präsident sagte, er rufe dringend dazu auf, wieder mehr Rationalität in die Diskussion zu bringen. "Dieser Skandal hat ein Stück weit dazu geführt, dass die emotionale Debatte sich von rationalen Argumenten entfernt hat. Das hilft keinem." Zum Beispiel seien Hardware-Nachrüstungen bei älteren Dieselautos nicht das einzige Mittel, zumal der CO2-Ausstoß und damit die Belastung des Klimas dadurch steige.

Es gehe bei der Zukunft der Mobilität außerdem um Technologieoffenheit. "Es wäre falsch, alles auf batteriebetriebene Elektroautos zu setzen. Es gibt weitere alternative Antriebe, etwa synthetische Kraftstoffe oder Wasserstoff oder auch Plug-in-Hybride."

Quelle: n-tv.de