Wirtschaft

Mit Folgen für den AutosektorBMW brechen nach heftiger Gewinnwarnung ein

17.06.2026, 11:04 Uhr
00:00 / 04:24
Der-Hauptsitz-der-Bayerischen-Motoren-Werke-BMW-am-Petuelring-Themenbild-Muenchen-Sightseeing-und-Wirtschaft-24-05
BMW-Investoren hätten zwar eine Gewinnwarnung erwartet, aber keine Margenkorrektur in dieser Größenordnung. (Foto: picture alliance / HMB Media)

Die Gewinnwarnung von BMW ist laut Analysten zwar ein "seltener Fehltritt". Die Titel des Münchner Autobauers geben in Frankfurt trotzdem deutlich nach. Die Nachricht zieht noch größere Kreise.

Die Titel des Münchner Autobauers BMW kommen an der Börse erheblich unter die Räder. Am späten Vormittag stand ein Minus von fast sieben Prozent auf der Kurstafel. In deren Sog büßten auch die Rivalen Mercedes-Benz und Volkswagen 3,5 und 2,5 Prozent ein.

BMW hatte zuvor die Prognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt, begründet mit einem schwachen Automobilmarkt, intensiverem Wettbewerb in China, Auswirkungen des Nahost-Konflikts und unverändert hohen Energiepreisen. Diese Effekte hätten sich bereits im zweiten Quartal in einem deutlichen Rückgang des Ergebnisses und des Freien Cashflows gegenüber dem Vorjahr ausgewirkt. 2026 erwartet der Konzern nun einen leichten Rückgang der Auslieferungen im Segment Automobile, statt Auslieferungen auf Vorjahresniveau.

Die EBIT-Marge im Segment Automobile wird nun bei 1 bis 3 Prozent statt 4 bis 6 Prozent gesehen, die Rendite auf das eingesetzte Kapital bei 1 bis 5 statt bei 6 bis 10 Prozent. Für das Konzernergebnis vor Steuern wird nun ein deutlicher statt moderater Rückgang erwartet. Marktteilnehmern zufolge überrascht weniger die Gewinnwarnung per se als deren Höhe.

In China habe sich der Rückgang im zweiten Quartal weiter beschleunigt, vor allem bei Verbrennerfahrzeugen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. So habe der Branchenverband CPCA seine Prognose erst am Montag erneut gesenkt. Das führe zu einer intensiveren Wettbewerbssituation in China und in den Ländern der Region Asien-Pazifik, der sich BMW nicht entziehen könne. Ein stärkerer Absatz in Europa und den USA mache den Einbruch in der Volksrepublik nicht wett, hieß es weiter.

Dazu komme der Iran-Krieg, der die Energiepreise in die Höhe treibe und auf das Konsumverhalten in zahlreichen Märkten weltweit drücke, teilte BMW mit. Weltweit rechnen die Münchner nun mit einem leichten Absatzrückgang, statt wie bislang vorhergesagt einer stabilen Entwicklung. Bereits im zweiten Quartal sei es zu einem deutlichen Rückgang bei Ergebnis und Barmittelzufluss gekommen.

Der neue BMW-Chef Milan Nedeljkovic tritt nun auf die Kostenbremse: Er wolle die "laufenden Maßnahmen nochmals deutlich intensivieren und beschleunigen", sagte er. "Es geht um Geschwindigkeit und Effizienz." Die Effekte würden in den Folgejahren sichtbar. Im zweiten Halbjahr führten sie aber erstmal zu einer einmaligen Gewinnbelastung.

Die Gewinnwarnung von BMW ist ein "seltener Fehltritt" für den deutschen Autobauer, schreiben die Analysten von Bernstein in einer Research Note. Der Konzern korrigiere seinen Kurs in der Regel, ohne dass größere Restrukturierungen mit hohen Belastungen erforderlich seien. Es sei klar, dass der neue Chef Nedeljkovic die Annahmen, die der Margenprognose für 2026 zugrunde lagen, einer neuen, kritischeren Prüfung unterziehe, so die Analysten.

BMW-Investoren hätten zwar eine Gewinnwarnung wegen der anhaltenden Schwäche des chinesischen Marktes erwartet, die die Erträge belaste, aber keine Margenkorrektur in dieser Größenordnung, schreiben die Analysten von Jefferies. Das Management habe sich gescheut, vor dem Investorentag im September Details zur Restrukturierung zu nennen, was darauf hindeute, dass vor allem die deutschen Betriebe betroffen sein könnten, so die Bank. "Es scheint uns, dass BMW ein globales Geschäftsmodell für die Montage überdenken könnte." Jefferies erwartet eine Verlagerung hin zu mehr Beschaffung und Integration in Nordamerika und China. 

Quelle: ntv.de, jki/DJ/rts

GewinneinbruchMünchenBMWAktienkurse