Wirtschaft

Ölriesen wieder voll im Saft BP investiert Milliarden ins US-Fracking

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Großeinkauf in den USA: BP nimmt für das Shale-Geschäft von BHP umgerechnet rund neun Milliarden Euro in die Hand.

(Foto: REUTERS)

Im Kampf um die Ausbeutung fossiler Energievorkommen versucht sich der Ölriese BP ein größeres Stück vom Kuchen zu sichern. Acht Jahre nach dem Deepwater-Horizon-Desaster kaufen die Briten in großem Stil Förderkapazitäten in den USA ein.

Der britische Ölkonzern BP übernimmt in seinem größten Zukauf seit fast 20 Jahren Schieferöl- und Gasaktivitäten des australischen Bergbauriesen BHP Billiton in den USA. Der Kaufpreis liege bei 10,5 Milliarden Dollar, umgerechnet rund neun Milliarden Euro, wie BP mitteilte. Damit erhalten die Briten unter anderem Zugang zu Vorkommen in New Mexiko und Texas.

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Der Begriff Schieferöl bezieht sich auf Rohstoffvorkommen aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten. Anders als bei herkömmlichen Öl- oder Gasfeldern, die im Prinzip nur angebohrt werden, müssen die fossilen Energieträger hier in aufwändigen Verfahren wie etwa dem umstrittenen Fracking gewonnen werden.

Der Zukauf markiert Branchenkennern zufolge einen Wendepunkt für den Ölriesen aus Großbritannien. BP war zuletzt immer noch mit den finanziellen Nachwirkungen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko beschäftigt, die 2010 durch die Explosion der Bohrplattform "Deepwater Horizon" ausgelöst wurde.

Damals strömten aus dem havarierten Bohrloch am Meeresgrund riesige Mengen an Rohöl ungehindert ins Meer. BP musste Strafen und Kosten für die Aufräumarbeiten im Umfang von mehr als 56 Milliarden Euro stemmen.

Neue Finanzkraft im Ölgeschäft

Diese Phase scheint für BP nun abgeschlossen zu sein: Mit dem Zukauf kann der Konzern seine Öl- und Gasressourcen an Land in den USA um 57 Prozent ausweiten. Die Transaktion werde sich positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken, erklärte BP. Zugleich kündigte das Londoner Börsenschwergewicht an, seine Quartalsdividende leicht anheben zu wollen.

Die Ankündigung löste in Fachkreisen Aufsehen aus: Trotz der milliardenschweren Übernahme hat BP offenbar noch genügend Mittel übrig, um den Aktionären zum ersten Mal seit rund vier Jahren wieder mehr Geld ausschütten zu können. Branchenbeobachter werteten den Zukauf und die Anhebung der Quartalsdividende bei BP als weiteres Zeichen dafür, dass die Ölkonzerne ihre tiefe Krise nach dem Absturz des Ölpreises zwischen Mitte 2014 und Anfang 2016 längst überwunden haben. Inzwischen sind die Preise für Öl wieder gestiegen.

"Investment zur falschen Zeit"

An der Börse löste der Zukauf allerdings gemischte Reaktionen aus: Im australischen Handel zog der Kurs der BHP-Aktien um rund zwei Prozent an. In London gaben die BP-Aktien vor dem Wochenende rund ein Prozent nach.

BHP Billiton sitzt im australischen Melbourne und war 2017 nach Börsenwert das größte Bergbauunternehmen weltweit. Die Australier steigen mit dem Deal aus einem Geschäft aus, das der Konzern zuvor als "teures Investment zur falschen Zeit" bezeichnet haben soll, wie Marktbeobachter anmerkten.

BHP hatte vor knapp einem Jahr angekündigt, sich aus der Schieferölförderung zurückziehen zu wollen. Ihre US-Aktivitäten stellten die Australier im vergangenen August auch unter Druck des aktivistischen Investors Elliott zum Verkauf. Die Rivalen Royal Dutch Shell and Chevron waren ebenfalls an den Geschäften interessiert, wollten aber offenbar nicht ganz so viel Geld dafür ausgeben wie BP. Der erzielte Preis liegt etwas höher als von Analysten erwartet.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/dpa/rts