Wirtschaft

Neues Klimaprojekt mit Siemens Bahn plant Testbetrieb mit Wasserstoffzug

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Die Deutsche Bahn steigt mit Siemens ins Geschäft mit wasserstoffbetriebenen Zügen ein.

(Foto: imago images/Rüdiger Wölk)

Bis zum Jahr 2050 will die Deutsche Bahn ihr Netz klimaneutral befahren. Dieses ambitionierte Ziel soll auch mithilfe von Wasserstoffzügen erreicht werden. Für das Projekt vereinbart der Konzern einen Testbetrieb mit Siemens. Auch Tests mit Hybrid-Loks sind geplant.

Die Deutsche Bahn will schon ab 2024 mit Batterie- und Wasserstoffzügen ihre Klimabilanz verbessern. Um die Pläne zu realisieren, ist der Konzern eine Kooperation mit Siemens eingegangen. Schon in zwei bis drei Jahren soll im Raum Tübingen in Baden-Württemberg dann ein elektrischer Regional-Triebzug mit Brennstoffzellen in den Probebetrieb gehen, wie die Partner ankündigten. Demnach soll der Zug von Siemens eine Reichweite von 600 Kilometern haben.

"Die klimafreundliche Verkehrswende ist möglich", sagte Bahn-Vorstandsmitglied Sabina Jeschke. Demnach will die Bahn im Jahr 2050 keine Fahrzeuge mehr mit konventionellem Diesel einsetzen, um bis dahin klimaneutral zu sein. Dafür müssen unter anderem 1300 Dieseltriebzüge ersetzt werden. Laut Bahn-Angaben sind 39 Prozent des 33.000 Kilometer langen DB-Netzes nicht elektrifiziert. Insbesondere auf Regionalstrecken fahren oft Dieseltriebwagen.

Für den Tübinger Wasserstoffzug rüstet die Bahn das Instandhaltungswerk Ulm um und entwickelt eine mobile Wasserstofftankstelle. Der Wasserstoff soll den Bahn-Angaben zufolge in Tübingen mit Ökostrom hergestellt werden. Der Zug werde ein Jahr lang einen Dieseltriebwagen zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim ersetzen, hieß es. Das ermögliche es, 330 Tonnen Kohlendioxid im Jahr einzusparen.

Auch Tests mit Hybrid-Loks

Für weniger stark befahrene Abschnitte ohne Stromanschluss testet die Bahn auch Hybrid-Loks mit Diesel und Batterie. Es soll zudem reine Batteriezüge geben. Experimentiert wird auch mit sogenanntem Öko-Diesel aus Altfetten. Denn auch mit Strom sind die Züge nicht sauber unterwegs. Der Ökostrom-Anteil im Bahnstrom liegt bei 60 Prozent. Für 2038 werden 100 Prozent angestrebt.

"Unsere Wasserstoffzüge können langfristig Dieselfahrzeuge ersetzen", sagte der Chef der Siemens-Zugsparte, Michael Peter, zu Reuters. Die Ablösung des Verbrennungsmotors im Bahnverkehr durch Fahrzeuge mit Wasserstofftanks oder Batterien werde sich zu einem milliardenschweren Markt entwickeln. "Wir sehen in Europa ein Marktpotenzial von 10.000 bis 15.000 Triebzügen, die in den nächsten zehn bis 15 Jahren ausgetauscht werden", sagte der Siemens-Mobility-Chef. Ein Zug des Typs Mireo Plus koste je nach Ausstattung fünf bis zehn Millionen Euro. "Das ergibt in Europa ein Marktpotenzial von 50 Milliarden bis 150 Milliarden Euro."

Offen sei jedoch, ob sich auf den nicht elektrifizierten Strecken Fahrzeuge mit Wasserstofftanks oder solche mit Batterien durchsetzen. Siemens verfolge deswegen mehrere Optionen. "Der Strom kommt entweder aus der Oberleitung, aus der Batterie oder aus der Brennstoffzelle", erläuterte Peter. "Aufgrund unserer Modulbauweise können wir diese Stromquellen im Fahrzeug je nach Kundenwunsch kombinieren."

Der Konzern sieht sich damit im Vorteil gegenüber dem Rivalen Alstom, der in Deutschland bereits eine Reihe von Regionaltriebzügen mit Wasserstoff-Brennstoffzellen verkauft hat. Während Alstom sein Modell Coradia iLint aus einem Dieselfahrzeug entwickelt hat, kann sich der Siemens-Zug auf elektrifizierten Streckenabschnitten auch aus der Oberleitung versorgen, um zu fahren und um die Batterie zu laden. Mit starken Diesellokomotiven, wie sie etwa auf den nicht elektrifizierten Strecken Nordamerikas fahren, könne der Wasserstoffantrieb aber noch nicht konkurrieren.

Quelle: ntv.de, cri/dpa/rts