Wirtschaft

50.000 Mitarbeiter beteiligt Bahnstreik legt britischen Zugverkehr lahm

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Der Ansturm auf die wenigen fahrenden Züge war enorm.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Seit 1989 hat es keinen größeren Bahnstreik in Großbritannien gegeben: Jetzt legen Zehntausende Mitarbeiter ihre Arbeit nieder. Sie verlangen eine Lohnerhöhung oberhalb der Inflation. Premier Johnson nennt die Forderung überzogen. Im Berufsverkehr spielen sich chaotische Szenen ab.

Der größte Bahnstreik seit mehr als 30 Jahren hat in Großbritannien etliche Pendlerinnen und Pendler ausgebremst. Nach Angaben der Gewerkschaft RMT beteiligten sich insgesamt mehr als 50.000 Mitglieder an den Arbeitsniederlegungen, die auch am Donnerstag und am Samstag der Forderung nach einem kräftigen Lohnplus wegen der Rekordinflation Nachdruck verleihen sollen.

Am Montagabend waren letzte Gespräche zur Abwendung des Ausstands gescheitert. An diesem Dienstag spielten sich dann mit Beginn des ersten Streiktags teils chaotische Szenen im Berufsverkehr ab: Während vielerorts nur ein Rumpfangebot aufrecht erhalten werden konnte und viele Bahn- und U-Bahnstationen verwaist blieben, bildeten sich etwa in den Londoner Vororten lange Schlangen an Bushaltestellen, während sich auf den Straßen Autos und Busse stauten. Taxiunternehmen merkten eine steigende Nachfrage. Teils stellte sich die Lage aber auch ruhig dar. "Die Leute arbeiten von zu Hause aus", berichtete ein Zeitungshändler am Bahnhof der Pendlerstadt St. Albans nördlich von London.

Nach Angaben der Gewerkschaft RMT ist der Bahnstreik der größte seit 1989. Gefordert wird von Gewerkschaftsseite deutlich mehr Geld. RMT-Generalsekretär Mick Lynch wies Angebote der Arbeitgeberseite für Erhöhungen unterhalb der Inflationsrate als "inakzeptabel" zurück. Im April hatte die Teuerung der Verbraucherpreise in Großbritannien neun Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und damit den höchsten Stand seit rund 40 Jahren erreicht.

Johnson bremst Hoffnungen

Premier Boris Johnson warnte die streikenden Bahnbeschäftigten vor aus seiner Sicht überzogenen Gehaltsforderungen. Erhöhungen, die den Anstieg der Lebenshaltungskosten ausgleichen, seien "derzeit nicht flächendeckend machbar", sagte Johnson in London. Seine konservative Regierung verurteilte die Streiks als "falsch und unnötig". Johnson warf den Gewerkschaften vor, mit ihren Aktionen genau den Menschen zu schaden, denen sie eigentlich helfen sollten.

Andrew Haines, der Chef des Zugbetreibers Network Rail, entschuldigte sich im BBC-Interview bei den Zehntausenden Fahrgästen, die in dieser Woche auf andere Verkehrsmittel ausweichen müssen. Neben den Verbindungen von Network Rail fallen auch die Züge von rund einem Dutzend anderer Zugbetreiber aus. Der Gewerkschafter John Leach betonte jedoch im Interview mit dem Sender TalkTV: "Wir können uns nicht auf etwas einlassen, das fast acht Prozent der Inflation hinterher hinkt - das ist absolut inakzeptabel." Natürlich bedauere man die Störungen und Unannehmlichkeiten für die Passagiere.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP

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