Wirtschaft

"Temporäre Notmaßnahmen" Banken-Aufsicht warnt vor Brexit-Schock

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Wie hart wird es London und die britische Wirtschaft treffen? In Deutschland bereitet sich die Finanzbranche auf einen harten Brexit vor.

(Foto: REUTERS)

Beim EU-Austritt der Briten tickt die Uhr: Für eine Klärung der ungelösten Wirtschafts-, Steuer- und Handelsfragen bleiben nur noch wenige Monate Zeit. Sollte es zu einem sogenannten harten Brexit kommen, fürchten Aufseher "gravierende" Folgen.

Deutschlands oberster Bankenaufseher Felix Hufeld hat vor erheblichen Problemen in der Finanzbranche im Falle eines ungeordneten Ausscheidens Großbritanniens aus der EU gewarnt. Ein sogenannter harter Brexit hätte Auswirkungen auf Hunderttausende Verträge und würde "gravierende Unsicherheit hervorrufen", sagte der Präsident der deutschen Finanzaufsicht Bafin bei einer Bankentagung in Frankfurt. "Wir Aufseher würden dann mit Notmaßnahmen operieren müssen, die man temporär ergreifen kann."

Die größeren Geldhäuser sind Hufelds Einschätzung zufolge auch auf einen möglichen harten Brexit gut vorbereitet. In kleineren und mittleren Häuser gebe es jedoch noch zahlreiche Baustellen, wie Hufeld betonte: "Das ist bedauerlich, aber unter Finanzstabilitätskriterien nicht tödlich."

Aktuell bearbeite die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) mehr als 25 Anträge von Finanzinstituten für eine Banklizenz in Deutschland. Der Brexit zwingt in London angesiedelte Banken, sich umzuorientieren: Für Dienstleistungen in der EU benötigen sie ein Standbein in einem EU-Staat.

Die Zwei-Jahres-Frist für die Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und Brüssel über die Brexit-Modalitäten läuft bis Ende März 2019. Um eine verbindliche Vereinbarung in den zahlreichen offenen Fragen auszuhandeln, bleiben London also nur noch gut sechs Monate Zeit.

Die Befürchtungen der Aufsichtsbehörde werden allerdings nicht von allen Marktteilnehmern geteilt. Bei der Deutschen Börse etwa geht Börsen-Chef Theodor Weimer nach eigenem Bekunden selbst im Fall eines ungeordneten EU-Austritt Großbritanniens nicht von akut auftretenden Auswirkungen auf.

EU-Austritt ohne Vereinbarung

"Ich glaube nicht, dass es zu größeren Marktverwerfungen kommt - selbst bei einem harten Brexit", sagte Weimer bei dem Treffen in Frankfurt. Die Branche rechnet seinen Worten zufolge nicht mehr mit einer gütlichen Einigung auf politischer Ebene.

Europa steuert demnach auf ein ungeordnetes Ausscheiden der Briten aus dem gemeinsamen Wirtschaftsraum zu. Die meisten Akteure an den Märkten, so Weimer, hätten längst damit begonnen, sich darauf einzurichten, dass es bis Ende März 2019 nicht zu einer Brexit-Vereinbarung zwischen den Briten und den in der EU verbleibenden 27 Ländern komme.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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