Wirtschaft

Gute Geschäfte mit Australien Baukonzern bietet für Internierungslager

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Kritiker bezeichnen die australischen Camps in Manus und Nauru als "Konzentrationslager". Viele Investoren schreckt das ab.

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Ferrovial ist einer der größten Infrastrukturkonzerne der Welt. Die Spanier bauen und betreiben etwa Flughäfen und öffentliche Verkehrsmittel. Nun wollen sie in Australien in ein Geschäft einsteigen, von dem andere Investoren lieber die Finger lassen.

In den Worten des Vorstandschefs von Ferrovial klingt die angestrebte Übernahme des australischen Unternehmens Broadspectrum nach einer verlockenden Investitionsmöglichkeit: "Wenn das Angebot Erfolg hat, ist es ein wichtiger Schritt in Ferrovials Strategie, seinen globalen Fußabdruck und die Präsenz in Australien auszuweiten", erklärt Íñigo Meirás.

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Ein Schnäppen scheint das australische Übernahmeziel zudem zu sein. Meirás bietet den Broadspetcrum-Aktionären insgesamt 692 Millionen australische Dollar (466 Millionen Euro). Das sind 1,35 Dollar pro Aktie. Obwohl dieser Preis mehr als 50 Prozent über dem Schlusskurs der Papiere von vergangenem Freitag liegt, spart Ferrovial Millionen gegenüber einem alten eigenen Angebot aus dem vergangenen Jahr von zwei Dollar. Damals hatten sich die Spanier mit einem freundlichen Übernahmeangebot an das Broadspectrum-Management gewandt - und wurden abgewiesen.

Doch das Schnäppchen hat einen Haken, den Ferrovial-Chef Meirás nicht erwähnt. Der Broadspectrum-Aktienkurs brach in den vergangenen Monaten in Folge einer öffentlichen Kampagne gegen das Unternehmen ein, das aus Sicht von Menschenrechtlern ein schmutziges Geschäft betreibt: Broadspectrum unterhält unter anderem im Auftrag der australischen Regierung Internierungslager für Flüchtlinge auf den Pazifikinseln Nauru und Manus. Die Lager sind ein Schlüsselelement der australischen Flüchtlingspolitik, die mit allen Mitteln Menschen davon abhalten will, unerlaubt per Boot das australische Festland zu erreichen.

Pensionsfonds ziehen sich zurück

Kritikern zufolge werden Flüchtlinge in den Lagern ihrer Grundrechte - vor allem des auf Asyl – beraubt. Zudem gab es Berichte über schwere Misshandlungen - auch ein Todesopfer gab es bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Lagerinsassen schon.

Proteste gegen die restriktive Asylpolitik der konservativen Regierung gab es in Australien von Beginn an. In den vergangenen Monaten richteten Aktivisten ihre Appelle vermehrt gezielt an die Broadspectrum-Aktionäre. Mit Erfolg: Einige wichtige Investoren, darunter die Pensionsfonds Hesta and NGS Super haben ihre Anteile bereits abgestoßen. Broadcom verlor fast ein Viertel seines Wertes.

Trotz seines schlechten Rufs gilt das Geschäft mit den Internierungslagern als einträglich. Laut dem "Wall Street Journal" steuert es den Großteil zum Gewinn von Broadspetrum bei, das unter anderem auch Häfen in Australien betreibt und Dienstleistung für den Bergbau anbietet. Derzeit verhandelt das Unternehmen über eine Verlängerung des auslaufenden Vertrags mit der australischen Regierung. Analysten warnen jedoch, dass die Margen kleiner werden könnten. Zuletzt griff Australien immer weniger Bootsflüchtlinge auf, die in die Lager gebracht wurden.

Quelle: n-tv.de, mbo/DJ

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