Wirtschaft

Radikale Ansichten Bekennender China-Gegner berät Trump

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Peter Navarro.

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Donald Trumps Berater Peter Navarro sieht in China einen "Meuchelmörder" und ruft zum Boykott chinesischer Produkte auf. Wird der US-Präsident auf ihn hören, wenn er Chinas Staatschef Xi triff?

Peter Navarro will, dass US-Amerikaner keine Produkte aus China kaufen. "Skrupellose chinesische Unternehmer überfluten die Weltmärkte mit knochenbrechenden, krebserregenden, entflammbaren, giftigen und auf andere Weise tödlichen Produkten, Nahrungsmitteln und Medikamenten", schreibt er in seinem Buch "Tod durch China". Warum das für Chinas Staatschef Xi Jinping ein Problem ist? Weil Navarro in Sachen Handel der wichtigste Berater des US-Präsidenten Donald Trump ist.

Die gegenseitigen Handelsbeziehungen dürften im Mittelpunkt des Treffens der beiden Staatschefs in Florida stehen. Trump ist davon überzeugt, dass andere Länder die USA durch unfaire Handelspraktiken ausnutzen, also die eigene Wirtschaft stärken und Millionen Jobs "stehlen". Die USA importieren vor allem aus China deutlich mehr Güter als sie selbst in die Volksrepublik verkaufen: Das Handelsdefizit betrug im vergangenen Jahr 347 Milliarden Dollar.

Vergangene Woche hatte Trump angeordnet, sämtliche Handelsbeziehungen zu überprüfen. Von nun an müssten alle, "die gegen die Regeln verstoßen", die "sehr harten" Konsequenzen tragen. Außerdem forderte Trump die US-Behörden auf herauszufinden, wie die USA stärker Zölle und Gebühren für Produkte kassieren können, die von ausländischen Regierungen subventioniert werden.

Die Erlasse des Präsidenten tragen die Handschrift von Navarro. Er ist der Meinung, dass China die größte Gefahr für die bestehende Weltordnung ist. Navarro zufolge will die Volksrepublik die USA zurückdrängen und die alleinige Supermacht werden. Um dieses Ziel zu erreichen, würden die Chinesen auch auf ökonomische Mittel zurückgreifen. Navarro bezeichnet die Volksrepublik als den "effizientesten Meuchelmörder des Planeten" und wirft Peking vor, "Job-Vernichtungswaffen" gegen die USA einzusetzen - beispielsweise Subventionen und eine künstlich niedrige Währung.

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(Foto: Screenshot Youtube "Death by China")

Navarro sieht in China etwas Hinterhältiges, das den USA Böses will. Exemplarisch zeigt sich das an seinem Dokumentarfilm zum Buch "Tod durch China". Dort ist in einer Animation zu sehen, wie sich ein chinesisches Messer in die USA bohrt und dafür sorgt, dass Blut in Strömen fließt. "Helfen Sie, Amerika zu verteidigen und beschützen Sie Ihre Familie - kaufen Sie nicht 'Made in China'", sagt Navarro zu Beginn des Films.

So haltlos die Vorwürfe auch sind: Vieles von dem, was Navarro schreibt, dreht sich um einen durchaus berechtigten Punkt. China profitiert vom globalen Handel, hält sich aber nicht an alle Spielregeln. So werden beispielsweise ausländische Patente missachtet, Umweltschutz oder Arbeitssicherheit spielen nur eine untergeordnete Rolle. Marktzugang gibt es häufig nur gegen Technologietransfer.

Was Navarro allerdings ignoriert: Es gibt zwar chinesische Billig-Produkte von schlechter Qualität. China stellt jedoch auch qualitativ Hochwertiges her, beispielsweise das iPhone. Außerdem hat Peking in der Vergangenheit seine Währung künstlich niedrig gehalten. Doch seit einiger Zeit ist die Notenbank dabei, den Renmimbi zu stützen. Und Konkurrenz durch chinesische Unternehmen ist nicht der einzige Grund dafür, dass in der US-Industrie Jobs verloren gegangen sind - zum einen gibt es Konkurrenz auch aus anderen Ländern, zum anderen vernichtet die zunehmende Automatisierung zahlreiche Arbeitsplätze.

Navarro gilt in der Ökonomenzunft als Außenseiter. Der 67-Jährige hat an der Elite-Universität Harvard promoviert und lehrte seit 1989 an der University of California in Irvine. Zwischen 1991 und 2001 kandidierte er für die Demokraten vergeblich für drei politische Ämter, unter anderem wollte er Bürgermeister von San Diego werden.

Als Ökonom vertritt Navarro eine radikal merkantilistische Position. Handel ist für ihn ein Wettstreit, Außenhandelsüberschüsse sind gleichbedeutend mit nationalem Wohlstand. Wie Trump hat er deshalb Sympathie für Handelsprotektionismus.

Um das große Defizit mit China zu reduzieren, schlägt Navarro vor, massive Zölle auf chinesische Produkte zu verhängen. Allein die Drohung werde Peking dazu bringen, die bisherige Politik zu ändern und weniger Güter in die USA zu exportieren. Andere Ökonomen fürchten allerdings, dass das wohl eher zu einem Handelskrieg führt.

Navarro hat für einen Ökonomen eine bemerkenswerte Position: Er ist davon überzeugt, dass gegenwärtig weniger Handel gut für die US-Volkswirtschaft sei. Diese Meinung hat er nahezu exklusiv. "Navarros Sicht auf den Handel ist so radikal, dass ich trotz seiner Unterstützung keinen Ökonomen gefunden habe, der ihm voll zustimmt", schreibt Adam Davidson im Magazin "New Yorker". Das dürfte Navarro egal sein. Denn es gibt einen Menschen, der seiner Meinung ist: Donald Trump.

Quelle: n-tv.de

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