Wirtschaft

Protest gegen UmbaukursBelegschaft pfeift VW-Chef bei Betriebsversammlung aus

25.08.2026, 13:54 Uhr
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Zehntausende Stellen sollen bei VW wegfallen. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Betriebsversammlungen bei Volkswagen starten mit einem Pfeifkonzert für Konzernchef Blume. Der Vorstandschef wirbt weiter für seinen Umbauplan. Doch die Arbeitnehmerseite feuert eine verbale Breitseite gegen den Manager.

Volkswagen-Chef Oliver Blume stößt mit seinem Umbauplan für Europas größten Autobauer auf massiven Protest der Beschäftigten. Blume erklärte auf der Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg einmal mehr, dass VW unter großem Druck von US-Zöllen, geopolitischen Risiken und neuen Rivalen Kosten senken und schlanker werden müsse. Das Aus von vier deutschen Werken sei keine beschlossene Sache. Es sollten vielmehr "belastbare Perspektiven" für alle Standorte geschaffen werden. "Unser Anspruch ist klar: Wir kämpfen um industrielle Perspektiven und um Beschäftigung für unsere Standorte", sagte Blume.

Mehr als 10.000 Mitarbeitende in und vor der Halle quittierten seine Rede Teilnehmern zufolge mit Pfiffen und bekundeten ihren Protest mit Schildern und Transparenten. Parolen wie "Tarifbruch stoppen!" und "Unsere Jobs sind nicht Eure Bilanzkorrektur!" hielten Vertrauensleute der IG Metall dem Management auf der Bühne entgegen.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo verurteilte die kürzlich von Blume genannte Zahl von weiteren 50.000 abzubauenden Stellen, die theoretisch hergeleitet worden sei, um an der Börse gut anzukommen. "Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten!", kritisierte sie in ihrer von frenetischem Applaus begleiteten Rede, dass bislang kein genauer Plan vorliege. "Unser Vertrauen in diesen Konzernvorstand, insbesondere auch in dessen Vorsitzenden Oliver Blume, ist beschädigt. Noch nicht irreparabel. Aber beschädigt."

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies kritisierte den Sparkurs des VW-Konzernvorstands. Wie die Arbeitnehmervertreter lehnte Lies zudem die vom Management vorgeschlagenen Fabrikschließungen ab. "Es geht jetzt nicht um die Frage der Werkschließung." Der Vorstand müsse Konzepte vorlegen, wie die Kapazität an den bestehenden Standorten besser ausgeschöpft werden könne - durch attraktivere Fahrzeuge, aber auch durch "Ergänzungen", wie etwa Rüstungsproduktion. Die Arbeitnehmerbank und die Vertreter des Landes hatten im Aufsichtsrat Blumes Umbauplan zunächst verhindert. Am 4. September soll das Kontrollgremium erneut darüber beraten.

Mehrere Werke nicht ausgelastet

Bis Anfang nächster Woche finden in allen deutschen VW-Werken zusätzliche Betriebsversammlungen statt - die Betriebsräte fordern Klarheit über die vom Management geplanten Einschnitte. "Unser Ziel ist es, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen", sagte Blume. Die Konzernmarken hätten den Auftrag, gemeinsam mit den Werken konkrete Optionsräume zu erarbeiten. Für die VW-Werke in Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk Neckarsulm gebe es noch keine "wettbewerbsfähige" Belegung für die 2030er Jahre. Doch Schließungen seien "immer die letzte und teuerste Lösung."

Blume machte deutlich, dass die Kosten außerhalb der Fahrzeugproduktion sinken müssten, da sie 30 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen lägen. Dabei sei die von ihm früher genannte Zahl von 50.000 Stellen, die zur Disposition stünden, keine Zielgröße, sondern eine theoretische Rechengröße. "Aus heutiger Sicht entfällt etwa die Hälfte des Anpassungsbedarfs auf Deutschland, die andere international - in insgesamt rund 170 Gesellschaften", ergänzte der VW-Chef. "Würden wir in Deutschland weitermachen wie bisher, hätten wir dauerhaft einen Nachteil von rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Genau deshalb stehen wir unter großem Handlungsdruck."

Details seiner Sparpläne, die der Betriebsrat gefordert hatte, blieb der Konzernchef weiter schuldig. Es solle auch künftig "so weit wie möglich" auf freiwilliges Ausscheiden über Renteneintritte und einvernehmliche Vereinbarungen gesetzt werden, versicherte Blume. Die Arbeitnehmervertretung lehnt Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen strikt ab. Betriebsratschefin Cavallo kritisierte, Arbeitskosten senken, Personal abbauen und Standorte infrage zu stellen, sei allein kein Zukunftsprogramm. Es mangele an einer Strategie für neue Technologien und Produkte. Die Fabrikkosten machten im Übrigen nur ein Siebtel der Gesamtkosten aus, argumentierte der Betriebsrat. Die Kernmarke VW müsse sich im Vergleich mit Konkurrenten nicht verstecken.

Quelle: ntv.de, lme/rts

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