Nächste Kehrtwende des Premiers?Bericht: London genehmigt Ausbeutung von umstrittenem Gasfeld

Neue Regierung, alter Streit: Großbritanniens Premier Andy Burnham steht offenbar vor einer heiklen energiepolitischen Entscheidung. Es geht um Gas aus der Nordsee, ein Wahlversprechen und Milliardeninvestitionen.
Der neue britische Premier Andy Burnham will britischen Medienberichten zufolge bereits Mitte September die Förderung von Erdgas im umstrittenen Feld Jackdaw vor der Küste Schottlands genehmigen. Das berichtete unter anderem die BBC unter Berufung auf Regierungs- und Unternehmenskreise. Die Regierung wollte die "Spekulationen" nicht kommentieren.
Die Labour-Partei von Burnham hatte sich 2024 vor Übernahme der Regierung verpflichtet, keine neuen Genehmigungen mehr für die Ausbeutung von Gasvorkommen in der Nordsee zu erteilen. Burnham, seit Juli im Amt, scheint das nicht ganz so streng zu sehen. Ein Regierungssprecher sagte AFP, Erdöl und Erdgas würden noch "jahrzehntelang eine wichtige Rolle in unserem Energiesystem spielen". Es wäre Burnhams nächste Kehrtwende: Bereits die geplante Senkung der Obergrenze für Parteispenden hatte er wieder kassiert.
Jackdaw und das Gas- und Ölfeld Rosebank in der Nordsee waren ursprünglich 2022 beziehungsweise 2023 genehmigt worden - ein schottisches Gericht widerrief Ende 2025 aber die Lizenzen für die beiden Konzerne Shell und Equinor zur Erschließung der Felder. Geklagt hatte Greenpeace. Der Richter ordnete an, die Unternehmen müssten neue Genehmigungsanträge stellen.
Das Gemeinschaftsunternehmen von Shell und Equinor, das beide Felder ausbeuten könnte, Adura, erklärte, Jackdaw und Rosebank könnten "zehn Prozent unserer Gasproduktion und zehn Prozent der Ölproduktion des britischen Festlandsockels liefern", Milliarden Pfund generieren und während der Bauphase Tausende Arbeitsplätze sichern.
Umweltschützer kritisieren, jede weitere Öl- und Gasförderung werde die Energiewende verzögern. Die britischen Verbraucher würden nicht von niedrigeren Preisen profitieren, denn die Preise für Öl und Gas würden am Weltmarkt gemacht. "Neue Bohrungen bedeuten ganz einfach nur mehr Profite für die Öl- und Gaskonzerne", erklärte Tessa Khan von der Umweltschutzorganisation Uplift.
