Wirtschaft

Karusselle narren Finanzämter Betrüger prellen EU um 50 Milliarden Euro

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Der Betrug läppert sich zu einer gewaltigen Summe.

(Foto: dpa)

Mit 50 Milliarden Euro lässt sich eine Menge anfangen - doch um genau diese Summe prellen Verbrecher die EU allein mit Mehrwertsteuerbetrug. Der Trick ist seit Langem bekannt, doch den Tätern ist schwer beizukommen.

Organisierte Verbrecherbanden prellen Medienberichten zufolge europäische Steuerbehörden um jährlich rund 50 Milliarden Euro. Wie das ZDF und das Recherchezentrum Correctiv gemeinsam melden, nutzen die Täter sogenannte Umsatz- oder Mehrwertsteuerkarusselle. Dabei schlagen Firmen Mehrwertsteuer auf den Preis von Waren oder Dienstleistungen auf, führen diese aber nicht an das Finanzamt ab.

Das funktioniert nach diesem Muster: Innerhalb der EU können Importeure Waren aus einem anderen Mitgliedsland empfangen, ohne dafür Umsatzsteuer zahlen zu müssen. Beim Weiterverkauf an einen Geschäftspartner in Deutschland muss diesem dann die gesetzliche Mehrwertsteuer berechnet werden. Hier beginnt das Betrugsszenario: Der Händler berechnet beim Weiterverkauf die Steuer, hat aber nicht die Absicht, diese auch ans Finanzamt abzuführen. Bevor der Importeur die Steuer ans Finanzamt zahlen muss, schließt er seinen Betrieb und taucht unter: Die Branche spricht hier vom "Missing Trader", also dem "fehlenden Händler".

Der Käufer im Inland verkauft die Ware dann noch einmal weiter ins Ausland. In diesem Fall darf er sich die ursprünglich bezahlte Mehrwertsteuer wieder vom heimischen Finanzamt erstatten lassen. So entsteht ein Karussell, in dem es gar nicht um die Nutzung der Ware geht, sondern nur darum, die Mehrwertsteuer abzusahnen.

Bei Produktions- und Handelsstufen über EU-Grenzen hinweg, verlieren auch die Finanzämter bisweilen den Überblick. Dadurch entgeht den öffentlichen Kassen viel Geld. Nach Angaben der EU-Kommission lag zwischen erwartetem und tatsächlichem Mehrwertsteueraufkommen 2014 in Europa sogar eine Lücke von 160 Milliarden Euro. Diese dürfte allerdings nicht ausschließlich auf Karussellbetrug zurückzuführen gewesen sein.

Der Schaden in Deutschland soll sich auf 14 Milliarden Euro jährlich belaufen, berichtet das ZDF. Doch die Bundesregierung gehe nicht entschieden dagegen vor. Neben Großbritannien sei Deutschland das einzige EU-Land, das noch nicht aktiv dem Betrugs-Frühwarnsystem TNA vertraue. Das System ermittelt durch künstliche Intelligenz grenzüberschreitenden Umsatzsteuerbetrug. Das Bundesfinanzministerium prüfe die Teilnahme noch.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa

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