Wirtschaft

"Schockierende Praktiken" Bezos wehrt sich gegen Kritik

Ein Bericht der "New York Times" beschreibt die Arbeitsbedingungen bei Amazon als völlig emotionslos und unmenschlich. Mehrere Mitarbeiter berichten von untragbaren Zuständen. Ein Fall ist besonders dramatisch. Gründer Jeff Bezos wehrt sich.

Amazon-Gründer Jeff Bezos hat einen kritischen Bericht der "New York Times" über die Arbeitsbedingungen beim weltgrößten Online-Händler zurückgewiesen. "Der Artikel beschreibt nicht das Amazon, das ich kenne", betonte Bezos in einer E-Mail an die Mitarbeiter.

Die "New York Times"-Reporter sprachen nach eigenen Angaben mit mehr als 100 früheren und aktuellen Amazon-Mitarbeitern und berichteten unter anderem von Fällen, in denen Menschen nach Familientragödien oder Gesundheitsproblemen ohne Mitgefühl behandelt worden seien. So sei eine Mitarbeiterin am nächsten Tag nach einer Fehlgeburt auf eine Dienstreise geschickt worden, und krebskranke Beschäftigte hätten schlechte Arbeitsbewertungen erhalten. Auch sei das Betriebsklima schroff: "Ich habe fast jeden, mit dem ich arbeitete, am Schreibtisch weinen gesehen", sagte eine frühere Mitarbeiter aus dem Buch-Marketing der Zeitung.

"Ich würde so ein Unternehmen verlassen"

Der Bericht vom Wochenende stelle einzelne Geschichten über "schockierend gefühllose Management-Praktiken" in den Vordergrund, schrieb Bezos. "Ich bin überzeugt, dass jeder, der bei einem Unternehmen arbeitet, wie es in der "New York Times" beschrieben wurde, verrückt wäre, zu bleiben. Ich weiß, dass ich so ein Unternehmen verlassen würde." Zugleich rief Bezos die Mitarbeiter auf, wenn ihnen herzloses Vorgehen von Managern bekannt ist, dies an die Personalabteilung oder direkt an ihn zu melden. "Selbst wenn es seltene oder Einzelfälle sind, unsere Toleranz für einen solchen Mangel an Mitgefühl muss gleich Null sein."

In Deutschland geriet Amazon vor einigen Jahren in die Kritik, nachdem in einem TV-Bericht von schlechten Lebensbedingungen für saisonale Beschäftigte für Logistikzentren die Rede war. Die Gewerkschaft Verdi versucht auch, mit Streiks einen Tarifvertrag auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels durchzusetzen. Das Unternehmen sieht sich dagegen als Logistiker und verweist auf eine Bezahlung am oberen Ende des Branchenüblichen.

Quelle: ntv.de, hla/dpa

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