Wirtschaft

Front gegen Facebook-Geld Libra Bitcoin rauscht unter 10.000 Dollar

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Der USA-Senat nimmt den neuen Facebook-Coin Libra unter Beschuss. Bitcoin und andere Kryptowährungen rauschen abwärts.

(Foto: REUTERS)

Der Widerstand gegen die geplante Digitalwährung des Internet-Riesen Facebook wächst. Die USA kündigen eine harte Gangart gegen Kryptowährungen an. Anleger suchen Deckung. Über Nacht verliert die älteste Cyber-Devise Bitcoin 1500 Dollar.

Krypto-Fans müssen diese Woche starke Nerven haben: Der Bitcoin-Kurs ist erneut unter 10.000 Dollar gestürzt. Ende Juni hatten die Spekulationen über die Einführung der Facebook-Währung Libra die älteste und wichtigste Cyber-Devise noch auf 13.880 Dollar hochgepusht. Mit der wachsenden Kritik an den Währungsplänen des Tech-Giganten jedoch rauscht der Kurs nun wieder abwärts.

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Seinen Tiefpunkt erreichte Bitcoin in der Nacht bei 9226 Dollar - ein Verlust von rund 1500 Dollar innerhalb von nur 24 Stunden. Auch andere Kryptowährungen wie Ethereum, Litecoin und Eos gaben zweistellig nach. Die Anleger hängen derzeit an den Lippen der Politiker, die offenbar einen Schlachtplan gegen Facebooks Währungspläne schmieden.

Am Dienstag hatte der Bankenausschuss des US-Senats den für Libra zuständigen Facebook-Manager, David Marcus, in die Mangel genommen. Dieser versicherte ihnen zwar, das neue Cyber-Geld solle von einer Schweizer Stiftung kontrolliert werden und auf einem Korb von Währungen wie dem US-Dollar, dem Euro und dem japanischen Yen basieren. Auch alle Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung würden eingehalten. Doch überzeugen konnte er mit seinen Ausführungen nicht.

Das Urteil vieler US-Senatoren über die geplante Facebook-Kryptowährung fiel vernichtend aus: Die Pläne des des Online-Netzwerks seien "verrückt", hieß es. Es sei eine "wahnhafte Idee", dass Facebook angesichts zahlreicher Datenskandale glaube, die Politik werde dem Unternehmen erlauben, Geld seiner Kunden zu verwalten.

"Facebook und Co. haben die Rechnung offensichtlich nicht mit den politischen Führungseliten gemacht", sagt Analyst Timo Emden von Emden Research. Die regulatorischen Bedenken seien zu groß und geeignete Antworten gebe es nicht. Anlegern dämmere, dass Facebook womöglich nicht wie geplant eine eigene Kryptowährung auf die Beine stellen könne.

Keine Geldmacht für Unternehmen

Auch in Deutschland regt sich Widerstand. Zuletzt äußerte sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz kritisch zu Libra. Die Herausgabe von Währungen gehöre nicht in die Hände eines Privatunternehmens, warnte er. Der Euro müsse das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in der Eurozone bleiben und Finanzstabilität sowie Verbraucherschutz gesichert werden. "Grundsätzlich müssen wir Einfallstore für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verhindern."

US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte kurz zuvor dieselben Bedenken geäußert. Die Nutzung von Kryptowährungen sei eine "Gefahr für die nationale Sicherheit", erklärte er. Der Staat werde die Kryptowährungen nicht verbieten, aber die Einhaltung der für den Finanzsektor geltenden Regeln durchsetzen. Ab heute tagen die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industriestaaten (G7) in Frankreich. Auch bei diesem Treffen soll Libra Thema sein.

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Wie es mit dem Bitcoin-Kurs weitergeht, sehen Krypto-Experten unterschiedlich. Der Bitcoin könnte bis auf 9000 Dollar fallen, prognostiziert Analyst Emden. Für eine Gegenbewegung könnten Schnäppchenjäger sorgen. Dafür scheine das Eis jedoch momentan zu dünn.

Boden bei 8000 Dollar?

Pessimistischer ist der prominente US-amerikanische Krypto-Fondsmanager Tomothy Peterson. Berechnungen auf Basis der Zahl der aktiven Nutzer von Bitcoin und dem Transaktionsvolumen deuten seiner Ansicht nach darauf hin, dass der tatsächliche Preis bei 8000 Dollar liegen sollte. Andere stützen seine Preis-Prognose mit dem Hinweis auf Präsident Trump. Dessen negative Kommentare würden Abwärtsdruck ausüben. Der Bitcoin "könnte auf 8.000 Dollar sinken und alle Gewinne vom Juni zunichtemachen", sagte Alfonso Esparza, Senior Market Analyst bei Oanda Corp, kürzlich gegenüber Bloomberg.

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Optimistischer ist Lennon Sweeting, Chef-Händler des Kryptowährungsbrokers Coinsquare. Der Gegenwind für die Facebook-Währung werde den Bitcoin nur kurz belasten, ist er überzeugt. Die Cyber-Devise werde schnell wieder zwischen 11.000 bis 12.000 Dollar notieren. Der Rekordwert des Bitcoin lag bei knapp 20.000 Dollar. Das war Ende 2017.

Angesichts der härteren Gangart der USA gegen Digitalwährungen wird auch die Kritik der Krypto-Szene an der Politik lauter. Das stets angeführte Argument, Kryptowährungen gefährdeten die nationale Sicherheit, sei ein perfektes Ablenkungsmanöver, schreibt das Krypto-Portal BTC Echo. Ein viel größeres Problem seien die Dollar-Schulden für die USA. Fragen zum aktuellen Schuldendeckel habe US-Finanzminister Mnuchin auf der Libra-Pressekonferenz schlicht abgewiegelt. Fragen hierzu wolle er "vorerst" nicht beantworten, zitiert BTC Echo Mnuchin.

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Quelle: n-tv.de, mit rts/dpa

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