Wirtschaft

Defekte Teile in 737-Max-Jets Boeing droht weitere Strafe

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Stillgelegte 737-Max-Jets verschiedener Fluggesellschaften: Boeing gerät immer tiefer in die Bredouille.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die finanzielle Situation von Boeing verschlechtert sich rapide. Die US-Flugaufsicht fordert wegen defekter Bauteile, die in dem Modell 737 Max verbaut wurden, nun eine zweite Millionenstrafe. Der neue Boeing-Chef Calhoun steht vor gewaltigen Herausforderungen.

Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA will den Flugzeugbauer Boeing mit einer zusätzlichen Strafe belegen. Damit solle geahndet werden, dass der Hersteller mutmaßlich defekte Tragflügelteile bei einigen seiner Maschinen des Typs 737 Max verbaut und behauptet habe, diese seien sicher, teilte die US-Behörde mit. Die Strafe soll sich auf 5,4 Millionen US-Dollar belaufen. Wegen desselben Vorwurfs bei Flugzeugen des Typs 737 der älteren Generation muss Boeing bereits 3,9 Millionen Dollar zahlen.

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Die diesmal von der FAA kritisierten Teile sollen in 300 Flugzeugen verbaut worden und wegen Produktionsproblemen schwächer ausgelegt sein als geplant. Konkret handelt es sich um defekte "slat tracks", eine Art Leitschienen, die sich am vorderen Teil der Tragflächen befinden und zur Verringerung der Geschwindigkeit bei der Landung eingesetzt werden. Bei der ersten Strafe ging es um 178 Max-Jets, schreibt die "Washington Post" unter Berufung auf die FAA. Boeing hat nun 30 Tage Zeit, die neue Geldbuße zu überprüfen.

Die neue Millionenstrafe belastet nicht nur die strapazierten Finanzen des Flugzeugbauers. Knapp sechs Milliarden Dollar stellte Boeing im Juli vergangenen Jahres allein für Entschädigungsforderungen zurück, weil Airlines tausende Flüge streichen und auf andere Maschinen zurückgreifen mussten. Die Strafe beschädigt darüber hinaus auch das ohnehin schon ramponierte Image des Unternehmens, das immer noch keine Lösung für seine stillgelegten 737 Max gefunden hat.

Brisante interne Dokumente

Kritische E-Mails von Boeing-Mitarbeitern über den Umgang mit dem Unglücks-Modell warfen zuletzt zusätzlich ein schlechtes Licht auf die Unternehmenskultur bei dem US-Flugzeugbauer. Das Flugzeug "sei von Clowns entworfen, die wiederum von Affen beaufsichtigt wurden", schrieb ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter, der sich bereits im April 2017 mit einem Kollegen über Probleme mit der Computer-Flugsteuerung austauschte.

*Datenschutz

In den Jahren 2018 und 2019 stürzten zwei Boeing 737 Max nach technischen Problemen ab, 346 Menschen verloren ihr Leben. Seither dürfen Flugzeuge dieses Typs nicht mehr starten und landen. Am Montag tritt der neue Boeing-Chef Peter Calhoun sein Amt an. Der ehemalige Manager beim Investment-Giganten Blackstone soll das Vertrauen der Kunden in das Unternehmen wiederherstellen.

Quelle: ntv.de, ddi/DJ