Wirtschaft

Saures für Spielwarenverband Branche erwartet gruseliges Halloween

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Auch Halloween steckt in der Corona-Krise.

(Foto: picture alliance/dpa)

"Süßes oder Saures?" - am 31. Oktober ziehen Kinder von Tür zu Tür und stellen diese Frage. Halloween boomt seit Jahren auch in Deutschland. Weil der inoffizielle Feiertag aber nur bedingt Corona-kompatibel ist, erwartet die Branche starke Einbußen.

Seit den 90er Jahren wird auch in Deutschland Halloween gefeiert. Doch in diesem Jahr droht der Brauch auszufallen. Weil das Ansteckungsrisiko zu groß ist, sollten Kinder lieber nicht von Haustür zu Haustür ziehen und Süßigkeiten einfordern, raten Ärzte und Politiker.

Und da zu Halloween nicht nur Süßigkeiten und Kürbisse gehören, sondern auch Kostüme, Masken und Kunstblut, werden Ende Oktober Jahr für Jahr mehrere Millionen Euro in der Spielwarenbranche umgesetzt. "1991 hat es einen richtigen Kick gegebenen. Damals ist wegen des Golfkriegs Karneval in Deutschland ausgefallen. Man hat versucht, das mit Halloween zu kompensieren", blickt Ulrich Brobeil, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie, im ntv-Podcast "Wieder was gelernt" zurück.

Zu seinem Verband gehört auch die sogenannte "Fachgruppe Karneval", die für sich in Anspruch nimmt, Halloween in den 90er Jahren nach Deutschland importiert zu haben. "Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern. Damals gab es viel Kritik für diesen Gruseltag. Mittlerweile hat sich Halloween aber fest etabliert. Die meisten können sich mittlerweile mit kleinen Mumien, Vampiren, Bösewichten und Hexen anfreunden", sagt Brobeil.

Spielwarenbranche liegt im Plus, aber ...

Die Umsatzzahlen bestätigen das. Vor fünf Jahren seien mit dem Halloween-Geschäft etwa 27 Millionen Euro umgesetzt worden, mittlerweile schätzt Verbandschef Brobeil das Volumen auf "deutlich über 50 Millionen Euro jährlich". Im Corona-Jahr 2020 wird das aber sehr wahrscheinlich nicht zu erreichen sein. "Davon müssen wir leider ausgehen. Es ist so, dass sich der Handel mit ausreichend Ware eingedeckt hat. Ob die Ware aber in dem Maß wie zuvor abfließen wird, wissen wir im Moment noch nicht. Die aktuelle Situation wird aber sicherlich Einfluss auf das Geschäft haben."

Weil Halloween-Partys ausfallen, lohnt sich für die meisten Menschen wahrscheinlich kein Kostüm- oder Gruselmasken-Kauf. Und wer sich zumindest für die eigene Familienfeier eingedeckt hat, wird vermehrt online gekauft haben, ist Brobeil überzeugt. "Die Pandemie setzt einzelnen Akteuren und Warengruppen, vor allem dem Handel im Bereich Karneval, Halloween und Festartikel, massiv zu." Auch wenn die Spielwarenbranche als Ganzes im Vergleich zu vielen anderen Branchen "noch relativ gut dasteht", wie der Verbandschef mitteilt.

In der Tat profitiert die Branche in der Corona-Krise davon, dass Menschen mehr Zeit zuhause verbringen und deshalb mehr Zeit für Spiele haben. In den ersten drei Quartalen des Jahres ist der Umsatz der Spielwarenindustrie nach ersten Schätzungen um acht bis neun Prozent gestiegen, berichtet Brobeil. "Ich bin jetzt seit 15 Jahren in der Branche, aber so einen Zuwachs hatten wir noch nie." Vor allem Brett- und Gesellschaftsspiele sowie Puzzles seien aktuell beliebt wie selten zuvor. "In dem Bereich lag das Plus im Spätsommer sogar bei 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr." Brobeil ist überzeugt, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird.

Gruselmaske als Corona-Schutz?

Weil die Spielwarenindustrie bei Partyartikeln, Kostümierungen & Co. aber einen deutlichen Verlust erwartet, ist die Freude über den Erfolg getrübt. Vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen drohe der wirtschaftliche Kollaps. Erst recht, weil Karnevalsfeiern abgesagt sind und es jetzt nicht einmal mit Halloween so richtig klappen will. Auch wenn Ulrich Brobeil das Um-die-Häuser-Ziehen für nicht so risikoreich hält, wie viele Ärzte, Politiker oder auch Eltern. "Es ist natürlich wichtig, dass der Sicherheitsabstand eingehalten wird, dass Kinder nicht in Wohnungen gehen und die Hygienevorschriften einhalten, wie etwa das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Aber an Halloween lässt sich das vielleicht ganz gut mit einer Gruselmaske kaschieren."

Um auf Nummer sicher zu gehen, könne man die Kinder aber natürlich auch in den eigenen vier Wänden bespaßen, findet Ulrich Brobeil. Notfalls werden eben Süßigkeiten auf den Tisch gestellt, und verkleidet ein paar Gesellschaftsspiele gespielt. "Da gibt es auch spezielle Varianten, die in Richtung Halloween gehen. Auch wenn die das Fest natürlich nicht völlig ersetzen können."

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Quelle: ntv.de