Wirtschaft

Mitten im Machtkampf Britische Notenbank blockiert Venezuelas Gold

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Die Queen 2012 bei einem Besuch in einem der Goldtresore der Bank of England unter der Londoner City.

(Foto: REUTERS)

Die bereits stark geschrumpften Goldreserven der venezolanischen Zentralbank sind in der politischen und wirtschaftlichen Krise für das Regime von Nicolás Maduro überlebenswichtig. Die Bank of England verweigert ihm nun den Zugriff auf das in ihren Tresoren liegende Gold.

Mehr als 5000 Tonnen Gold lagern in den gigantischen Tresoren der Bank of England unter der Londoner City. Banken, Fonds, Regierungen und Zentralbanken aus aller Welt bunkern hier ihre Reserven - oder zumindest erhebliche Teile davon. So auch Venezuela. Dessen politisch und wirtschaftlich angeschlagenes Regime unter Präsident Nicolás Maduro versucht offenbar seit Monaten, 14 Tonnen der nationalen Goldreserven aus London abzuziehen und zu verkaufen. Doch einem "Bloomberg"-Bericht zufolge hat die britische Zentralbank die Herausgabe vor wenigen Tagen verweigert.

Mit ihrer Entscheidung greift die altehrwürdige Bank of England (BoE) direkt in den venezolanischen Machtkampf ein. Die Goldreserven sind für das von US-Sanktionen und Wirtschaftskrise gebeutelte Regime schon seit Jahren eine der wenigen Möglichkeiten, an Devisen zu kommen. Die braucht es dringend etwa für den Import von Nahrungsmitteln, Medikamenten und damit auch für das eigene politische Überleben. Von dem noch vor wenigen Jahren mehr als 360 Tonnen umfassenden Goldschatz waren Ende 2018 laut Zentralbank nur noch 130 Tonnen übrig. In London sollen Berichten zufolge derzeit 31 Tonnen davon lagern.

Seit Wochen machen die venezolanische Opposition und auch die US-Regierung Druck auf die BoE, der unter Maduros Einfluss stehenden Zentralbank keinen Zugriff auf die in London liegenden Goldbarren zu gewähren. Ihr Argument: Ein großer Teil der Verkaufserlöse fließe in die Taschen korrupter Funktionäre des Regimes.

"Ich schreibe Ihnen, um Sie zu bitten, diese illegitime Transaktion zu stoppen", schrieb Maduros Gegenspieler, Venezuelas Parlamentspräsident und selbst ernannter Übergangsstaatschef Juan Guaidó, an die britische Regierungschefin Theresa May und BoE-Gouverneur Mark Carney. Maduros Regierung plane, das Gold zu verkaufen und auf Konten der eigenen Zentralbank zu überweisen. "Wenn das Geld überwiesen ist, wird es von dem illegitimen und kleptrokratischen Regime Maduros genutzt werden, um das venezolanische Volk mit Gewalt zu unterdrücken."  Ebenso wie die USA und ein Großteil der EU-Staaten hat auch die britische Regierung Guaidó inzwischen als venezolanischen Staatschef anerkannt.

Was die politisch unabhängige BoE tatsächlich zu ihrer aufsehenerregenden Entscheidung bewog, bleibt unklar. Die "Old Lady" verweigert mit dem Hinweis auf die Vertraulichkeit ihrer Kundenbeziehungen jeden Kommentar, ebenso wie die venezolanische Zentralbank. Angesichts ihrer Rolle als Hüterin der Goldreserven zahlreicher Länder, Organisationen und Firmen ist das faktische Einfrieren des venezolanischen Goldes für die BoE eine "politisch explosive" Maßnahme, wie Reuters berichtet. Denn viele Regime, deren Verhältnis zu den USA oder Großbritannien angespannt ist, dürften sich nun ernste Sorgen machen, ob sie im Krisenfall noch Zugang zu ihren Reserven haben.

Quelle: n-tv.de, mbo

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